Vom Funk zum Rundfunk_

 

Bereits im Jahr 2016 zeigte das Steglitz-Museum eine kleine Ausstellung zum Radio und seinem Lichterfelder Erfindergeist Manfred von Ardenne (1907–1997). Damit wurde ein tragendes Element der Medienkommunikation angesprochen, das in unserem kulturellen Bewusstsein einen unverrückbaren Platz einnimmt. Von Ardenne schuf eine technische Neuheit, mit der das Tonmöbel Radio entstehen konnte. Der Rundfunk war die eigentliche Botschaft, die im ausgehenden 20. Jahrhundert unsere Medienkultur beeinflusste, prägte und veränderte. Der Rundfunk schuf ein völlig neues kulturelles Bewusstsein, das Menschen in den Bann zog, sie in den 1920er-Jahren von den Leiden der Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges und der Wirtschaftsinflation mittels Unterhaltung entlasten, sie bilden und jedem, auch dem Ärmsten, Wissen bringen sollte.

Im Dritten Reich erfasste Reichspropagandaminister Joseph Goebbels das Medium Radio als Machtinstrument. Dem Rundfunk wurden die demokratischen Flügel gestutzt, und nach politischer Säuberung und Gleichschaltung konnten sich die Nationalsozialisten an der Spitze über alles erheben und dem Volk ihren alleinigen Willen aufzwingen. Der Rundfunk wurde zur Macht über Menschen und zur Waffe im Krieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der „Stunde Null“, sollte der Rundfunk erneut Menschen Kraft und Mut spenden. Als über dem geteilten Deutschland der kalte Krieg entbrannte, wurde die Botschaft Rundfunk zur Macht und zur Stütze im geteilten Deutschland. Der Steglitzer Hans Mahle glaubte als Intendant im sowjetischen Sektor an Demokratie, was ihn schließlich zu Fall brachte. Die Regie des RIAS glaubte im amerikanischen und britischen Sektor an Gerechtigkeit, was den Sender begehrter machte. Die Berlinblockade der Sowjets konnte den Menschen im westlichen Sektor nicht die Lebensluft nehmen. Der ostzonale Rundfunk wurde zur Macht über Mensch und Gerechtigkeit. Er ersann die „Blutjustiz“ und den Menschenraub (wie im Fall des Steglitzers Walter Linse), er zwang des Menschen Sinn hinter Stacheldraht und Mauern. Der Rundfunk westlich der innerdeutschen Grenze führte durch das Wirtschaftswunder, und aus der Luftbrücke wurde eine Sendebrücke zwischen zwei Welten. Aus Lichterfelde kam Hans Rosenthal, der die Unterhaltung im Rundfunk beflügelte. und Fritz Genschow, der als „Onkel Tobias vom RIAS“ grenzenlos Kinderherzen beglückte. Der Rundfunk schwebte zwischen Demokratie und Machtduktus über Grenzen, die schließlich Menschen zu brechen vermochten, er war ihre Stütze. Wiedervereinigung brauchte Worte der Verständigung, und auch der Rundfunk wurde zur Botschaft eines geeinten Deutschlands.

Der Schriftzug Telefunken stand als Markenzeichen auf dem Radio, und die Telefunkenuhr am Telefunkenturm in der Goerzallee war weithin in Lichterfelde zu sehen. Das Radio war eines der Markenprodukte des Medienkonzerns, der weltumspannend agierte. Die Telefunken wurde zu einem Wahrzeichen Lichterfelder Industrieproduktion. Doch das Werk, das Tausende von Arbeitern beschäftigte, wurde auch ein Faktor sozialer Ausprägungen. Das Telefunkenwerk dehnte sich im Berliner Südwesten mit Wohnquartieren aus und schuf Lebens- und Familienbilder. Doch in der eigentlichen Botschaft war und ist der Rundfunk ein bedeutender Kulturfaktor, der mit Persönlichkeiten die Lebensbilder der Menschen prägte. Fröhlichkeit und Unterhaltsamkeit brachte der Lichterfelder Hans Rosenthal im Nachkriegsberlin durch den Äther, und Onkel Tobias vom RIAS haben die Menschen auch heute noch in der Erinnerung. Der erste Rundfunk-Intendant im kriegszerstörten Berlin war ein Lichterfelder, der eine Schlüsselrolle in dem von Sektoren geteilten Berlin spielte.

Aber wie kann uns die Botschaft Rundfunk als Hörer erreichen? Im Radio steckt Technik und Physik. An Versuchsstationen kann man den Empfang von Radiowellen ausprobieren, womit die Geschichte begann. Rundfunkempfang erzeugte in den 1920er-Jahren leidenschaftsvolle Funker und Radiobastler. Mit dem Kopfhörer konnte man die ersten Konzerte und Rundfunkansagen empfangen. Und jede Sendung endete mit den Worten: Vergessen Sie nicht, Ihre Antenne zu erden! Die Kopfhörer, über die die ersten Radiosender empfangen werden konnten, waren ein Hit und das Familiengeschenk schlechthin. Den Anfang aber bildete der Morsefunk, und auch diese Versuchsstation sollte man in der Ausstellung nicht vergessen. Morsen kann eine spannende Tonzeichensprache sein, die Sie unbedingt versuchen sollten. Das komfortable Radio der 1930er-Jahre brachte das Magische Auge hervor, und wie das funktioniert, muss man im Versuch selber erkunden.
Unsere PC-Technik erlaubt uns, auch komplizierte Techniken sichtbar zu machen, so verhält es sich mit der Sprache, die sich im technischen Medium zeigen muss, um sie zu senden. Hier ist wieder der versuchsfreudige Besucher eingeladen, diesen technischen Vorgang selbst zu ergründen.
https://www.museumsportal-berlin.de

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather