Villa Vauban Luxembourg_

Die historistische Villa Vauban im innerstädtischen Grüngürtel der Stadt Luxemburg ist seit 1959 städtische Kunstgalerie. Die Stadt entschied sich für die erforderliche Museumssanierung und eine räumliche Erweiterung, obwohl der öffentliche Park die Baumaßnamen grundlegend limitierte. Den umliegenden Landschaftsgarten plante der französische Gartengestalter Edouard André 1871-78, nachdem der Festungsring 1867 geschleift worden war. Durch das zur Hälfte unterirdisch angelegte Bauvolumen des Anbaus war es möglich, bei gleichzeitiger Respektierung der historischen und ökologischen Situation die Ausstellungsflächen beinahe zu vervierfachen. Die in goldrötlichen Brauntönen changierende Lochblechfassade reflektiert die Parkumgebung, ohne sie zu dominieren. Die transluzente Metallfassade aus Rotmessing ist in stumpfen Winkeln aufgefaltet und spielt mit dem auftreffenden Sonnenlicht und den Schatten der Bäume. Diese haptische Qualität der Oberfläche vermittelt Leichtigkeit und Eingebundenheit. Wie ein geometrischer Vorhang umläuft das Material den vieleckigen Baukörper. Diese Art der Bemusterung setzt sich auf dem Dach fort. Der überirdische Teil des Neubaus verbindet sich an der Ost- und Nordfassade mit dem Altbau der Villa, dockt aber nur in Höhe des Erdgeschosses an. Lediglich an der verdeckten Rückfassade führt ein Treppenhausvolumen in die zweite Etage der Villa. Von der Straßenseite aus gesehen, liegt der Anbau als eingeschossiger Riegel hinter der Villa. Durch perspektivisch gekippte Fluchtlinien, unterschiedlich geneigte Dachflächen und Rücksprünge, wirken die Dachkonturen des Baukörpers wie abstrahierte Geländelinien. Im Innenraum findet sich eine andere Form der Abstraktion: markant proportionierte Oberlichtsäle, hohe Decken und Enfiladen bestimmen das Bild. Die beiden Raumfluchten im Erd- und Untergeschoss des Anbaus mit den exakt hintereinander liegenden Durchgängen betonen den repräsentativen und öffentlichen Charakter der Schauräume. Die Klarheit der Räume wird durch die Schlichtheit der verwendeten Materialien und Details (geöltes Eichenparkett, Eichenlaibungen, Schattenfugen bei den Wandübergängen zum Boden und zur Decke) unterstrichen. Die Grundrisse der übereinander liegenden Enfiladen sind – für den Besucher kaum wahrnehmbar – in ihren Längsachsen versetzt. Die räumliche Verschachtelung und der dadurch entstehende Rücksprung sowie die entsprechende Überkragung bieten wiederum Freiräume für spezielle Funktionen: Skulpturengalerie, Kinderatelier, Loggia mit Parkausblick, Kabinett mit halber Deckenhöhe sowie einen dramatischen Treppenabgang ins Untergeschoss. Diese Elemente gestalten die Choreographie der Wegeführung; sie verlangsamen die Geschwindigkeit der Besucher und geben die Möglichkeit, Ausblicke auf den Park zu genießen sowie besondere Baumaterialien und -details wahrzunehmen. Wichtigstes Baumaterial im Inneren ist zweifellos Beton. Die nicht verkleideten Wände im Foyer, Treppenhaus und Kinderatelier weisen eine besondere Oberflächenbehandlung des Sichtbetons auf: alle Flächen wurden mit dem Stockhammer aufgeraut, so dass flächendeckend verstreut kleine helle Quarze aufscheinen. Insbesondere im Foyer und im Kinderatelier erscheinen die Betonvolumen massiv und skulptural, wie aus einem großen Volumen herausgearbeitet, weniger wie gegossene Schalen. Die Villa und der Anbau befinden auf dem Gelände des alten Fort Vauban, so dass im Untergeschoss ein besonders pittoresker Umgang entstehen konnte. Als trutziges Objet trouvé findet sich hier die alte Fortmauer (1739). Obwohl sie dem Besucher als Außenmauer erscheint, ist sie ohne konstruktive Funktion in das räumliche Gefüge montiert. Durch das Andocken des Neubaus an die Nord-Ost-Ecke der Villa ergibt sich für den Gesamtparcours durch das Museum die günstige Situation eines gemeinsamen Rundweges durch beide Häuser. Das Foyer bildet das Verbindungsstück zwischen restauriertem Altbau und Anbau, von hier aus gelangt der Besucher durch ein angebautes Vorzimmer in das Erdgeschoss der Villa. Alle weiteren Ausstellungsräume des gesamten Erdgeschosses erschließen sich nacheinander. Der Weg ins Untergeschoss führt über eine inszenierte Ecktreppe. Diese führt an der Nord-West-Ecke des Anbaus in einen schmalen, konisch zulaufenden Raum mit doppelter Untergeschosshöhe von 10 m. Durch die mattierten seitlichen Oberlichtgläser wird der Raum natürlich beleuchtet. Durch das innenliegende zweiläufige Treppenhaus kann der Besucher wieder in das Foyer und in die Räume der Villa gelangen.

Die bürgerliche Villa Vauban, die der französische Architekt Jean-François Eydt 1871-73 für den Industriellen Gabriel Meyer erbaute, konnte in ihrer historischen Bausubstanz erhalten bzw. wieder hergestellt werden. Basierend auf den originalen Plänen konnten die Dachgauben rekonstruiert werden. Auch die Stuckornamente der Decken wurden umfassend saniert, ohne jedoch dem ursprünglichen Farbprogramm zu folgen. Diese Art der umsichtigen Restaurierung wird ebenfalls bei der bevorstehenden Rekonstruktion des Gartens der Villa Anwendung finden.

Gebäudefakten

Die Villa Vauban umfasst zusammen mit dem Neubau eine Fläche von 2.045 m2 mit einem Gesamtvolumen von 13.510 m3. Nach dreijähriger Bauzeit (April 2007 – April 2010)  hat sich damit die Gebäudefläche um mehr als das dreifache und der Rauminhalt um das vierfache vergrößert. Einige Funktionen sind neu hinzugekommen: das Kinderatelier (71 m2), Verwaltungsräume (134 m2), Depoträume (128 m2) sowie technische Räume (203 m2). Die größte Erweiterung bezieht sich auf die Ausstellungsfläche und die Verkehrsflächen innerhalb des Museums (Foyer, Treppenhäuser, Wegeführung).

Autor: Dr. Sabine Dorscheid, Kunsthistorikerin, Luxemburg

Villa Vauban
18, avenue Emile Reuter
L-2420 Luxembourg
www.villavauban.lu

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