Verleihung des Preises der Stiftung der Deutschen Bank an Yves ELSEN_

Fondation pour le développement de la coopération Allemagne – Luxembourg dans le domaine des sciences
Stiftung zur Förderung der deutsch-luxemburgischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaften
Verleihung des Stiftungspreises 2012 an Herrn Yves ELSEN
Referat des Preisträgers „Forschung & Entwicklung – Motor für technologisches und wirtschaftliches Wachstum“
(Yves Elsen, Managing Partner & CEO, HITEC Luxembourg SA)
(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der Stiftung,
Sehr geehrte Mitglieder der Stiftung,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Stiftung der Deutschen Bank zur Förderung der deutschluxemburgischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaften, ehrt mit Ihrem Preis in 2012 das Ingenieurwesen sowie das Unternehmertum in Luxemburg.
Dass ich der diesjährige Laureat bin, erfüllt mich mit Stolz und unterstreicht die Bedeutung meines Berufstandes.
Diese Auszeichnung ist aber auch eine Anerkennung der Beziehungen zwischen Deutschland und Luxemburg, da in unserem Land rund 47% der Ingenieurdiplomanden an deutschen Technischen Hochschulen und Universitäten studiert haben. Bezieht man die Diplomanden aus dem deutschsprachigen Europa, sprich Österreich und die Schweiz mit ein, so kann man von 67% aller Diplomanden sprechen.
Aber „Ehre, wem Ehre gebührt“, denn hinter erfolgreichen Laureaten stehen auch erfolgreiche Unternehmen mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die ich in meinen Dank an die Stiftung mit einbeziehen möchte.
So sollten an dieser Stelle die Firmen SES SA und HITEC Luxembourg SA sowie insbesondere die Mitarbeiter(innen) von HITEC Luxembourg, die an den von Professor Dr Seck erwähnten Projekten “Compressed Volume Structure Tester-CVST“, „Heterogeneous Networks for European Public Safety – HNPS“ und die „In Orbit Testing – IOT“ Antenne am DLR Standort Weilheim aktiv mitgearbeitet haben, erwähnt sein.

Geehrte Damen und Herren,
Forschung und Entwicklung in Klein- und Mittelständigen Unternehmen (KMU) voranzutreiben, bedingt gewisse Voraussetzungen, denen sich heute ein auf Nachhaltigkeit ausgelegtes Unternehmen nicht entziehen kann.
Gerne fasse ich einige Erfahrungen aus der Praxis zusammen, um Ihnen das Thema meines Referates näher zu erläutern: „Forschung & Entwicklung – Motor für technologisches und wirtschaftliches Wachstum.“
Wenn ich aus der Sicht von HITEC Luxembourg reden darf und mich auf die – von Pierre Seck aufgezählten Projekte beziehe, so ist die Beziehung zwischen „Forschung & Entwicklung“ einerseits und dem Angebot von innovativen technologischen Produkten an unsere Kunden andererseits, seit der Gründung des Unternehmens HITEC Luxembourg im Februar 1986 stetig gewachsen.
Durch eine systematische Verknüpfung von Innovation, Technologie, Ingenieurwesen und Unternehmertum – so wie sie die – hier anwesenden – Gründer von HITEC, Nicolas Comes und Pierre Hirtt, vorgelebt und umgesetzt haben – wurde eine erstklassige Qualifikation geschaffen, um dieses Ziel zu erreichen.
So konnten wir bei HITEC professionelle Lösungen, ansprechende Dienstleistungen und innovative Produkte schaffen, um den hohen Anforderungen unserer Kunden, auf nationaler und internationaler Ebene, sowie im privaten und öffentlichen Sektor, Gerecht zu werden. Dies geschieht in einer offenen Partnerschaft mit all unseren Kunden! Diese Philosophie ist die Grundlage für ein erfolgreiches und nachhaltiges Wachstum.
Im Falle des CVST Projektes sowie der vollbeweglichen Bodensegment Antenne beim DLR, handelt es sich jeweils um Ausweitung und Verbesserung bestehender Produkte in Zusammenarbeit mit führenden Industriekunden.
Dies ist aber nur dann möglich und zielführend, wenn Kunden wie EVONIK im Falle von CVST – einem Messgerät zur physikalischen Messungen von Oberflächenbeschaffenheit sowie der Struktur von Ruß – oder DLR und SES TechCom – im Falle von der vollbeweglichen IOT Antenne in Weilheim – sich bereit erklären, in neue Entwicklungen mit einzusteigen und das Wissen und die Erfahrung von allen Partnern in das Projekt einfließen.
Aber dies alleine genügt nicht!
Des Weiteren sind das tägliche Engagement unserer Belegschaft, das Wissen, die Kreativität, die Qualität und die Ausdauer integrale Bestandteile unseres Unternehmens. Begeisterung für Technik und Innovation und eine Hingabe zum „life long learning“ sind zentrale Werte unserer Unternehmenskultur und unseren hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Auch den Ansatz des französischen Wissenschaftler aus dem 18. Jahrhundert, Antoine Lavoisier gilt es bei den heutigen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern anzuwenden: Beobachtung von externen Faktoren, empirisch zu erfassen und über experimentelle Anwendungen zu modelisieren und zu bestätigen!
Durch kontinuierliche Investitionen in Forschung und Entwicklung in verschiedenen Schlüsselbereichen wie Satelliten Bodensegment, Informationsund Kommunikationstechnologien, Mess- und Testmethoden und Technologie, sowie in anhaltendes Qualitäts- und Projektmanagement, hat sich HITEC gerüstet, um weiter zu wachsen und die Bewältigung anstehender Herausforderungen aufzunehmen.
Es gilt bei „Forschung & Entwicklung“ nicht nur mit modernsten Methoden sowie zukunftssicheren Lösungen zu arbeiten, sondern man darf auch Unternehmenswerte nicht vergessen. Bei HITEC stützen wir uns auf drei Werte:
• FOCUS – Kundenfokusiert sein;
• DELIVER – nachhaltige Produkte mit ausgezeichneten Dientsleistungen kombinieren ;
• FOSTER AN ENTERPRENEURIAL MINDSET – das unternehmerische Denken fördern.
Die Vision von HITEC Luxembourg lautet: „market oriented – client-centric – technology driven“.
Um für eine KMU Investitionen in „Forschung & Entwicklung“ zu tätigen, bedarf es aber auch einer gesunden finanziellen Grundlage sowie der Möglichkeit sich an nationalen, bilateralen oder europäischen Förderprogrammen zu beteiligen.
Dies bedingt, sich internationalen Kriterien anzupassen und die Arbeitsabläufe im Unternehmen transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Zusätzlich bedarf es der Erstellung eines technologischen Produktplans, um eine Grundlage für eine effiziente Zusammenarbeit zu schaffen. Selbstverständlich muss eine KMU sich auch am Markt über Wettbewerb oder Mitbewerber am Laufenden halten, um ein gezieltes Zeitfenster mit einem konkreten Entwicklungsplan in Angriff nehmen zu können.
So sind Projekte im Rahmen von EUREKA, einem europäischen Förderungsprogramm, oder bilateralenAbkommen, wie im Falle der Raumfahrt zwischen Luxemburg und Deutschland, Garant für eine Weiterentwicklung auf dem Gebiet von Industrie und Wissenschaft.
Wir in Luxemburg, – und im besonderen bei HITEC – wissen diese Maßnahmen zu schätzen und gezielt in die Weiterentwicklung unseres Unternehmens einzubeziehen.
Wichtig für ein Unternehmen ist es zu verstehen, dass solche Projekte und Weiterentwicklungen nur Erfolg haben können, wenn sie mit dem Markt und nicht an dem Markt vorbei eingeführt werden! Dies kann nur ordnungsgemäß ablaufen, wenn Kunden sich bereit erklären in neue Entwicklungen als Partner mit einzusteigen HITEC Luxembourg weiß diese Vorgehensweise bei seinen deutschen Partnern zu schätzen. Es kommt nicht von ungefähr, dass unser Unternehmen – bei seinen innovativen und von Forschung getriebenen Projekten – seit Jahren erfolgreich mit Deutschland kooperiert. „Lehre und Forschung“ und der stetige Austausch von „Wissenschaft und Unternehmertum“ sind die Grundlagen für den Erfolg.
Auch die vor kurzem eingeführte Gesetzgebung zu Patenten und Urheberrechten in Luxemburg ermöglicht Unternehmen in „Forschung und Entwicklung“ zu investieren, umso neue Produkte anzubieten. Hier ist auch, der am vergangenen Freitag am Brüsseler Gipfel getroffene Beschluss, zum vereinfachten europäischen Patentprozess ausdrücklich zu begrüßen.
Nicht alle bei HITEC Luxembourg durchgeführten Entwicklungsprojekte waren vom Erfolg gekrönt, aber, wir waren bereit, aus Fehlern zu lernen und Misserfolge als Gratmesser der eigenen Fähigkeiten zu bewerten.
Geehrte Damen und Herren,
wenn jetzt neben den obenerwähnten Rahmenbedingungen auch noch ein gut strukturiertes und sauber ausgeführtes Projektmanagement eingesetzt wird, ja dann und nur dann, können Personalaufwand, Finanzmittel und Zeitfaden koordiniert, korrigiert und kontrolliert werden. Das Resultat lässt nicht lange auf sich warten und der Grundstein für den Erfolg ist gelegt.
Zusammenfassend kann man „Plan – Personal – Partner – Produkte“ als wichtigste Faktoren eines dynamischen Prozesses ansehen, die es einem Unternehmer erlauben, „Forschung & Entwicklung“ als Motor von Technik und Wirtschaft einzusetzen. Sind diese Faktoren alleine ausreichend? Die Antwort lautet: Nein!
Ein Unternehmer kann nur nachhaltig eine erfolgreiche Forschungsund Entwicklungsstrategie umsetzen, wenn er auch mit öffentlichen Partnern aus Politik, Forschung und Lehre zusammenarbeitet.
Deshalb ist es wichtig, dass man dem politischen sowie gesellschaftspolitischen Umfeld Rechnung trägt!
Hier gilt es die Bemühungen Luxemburg’s hervorzuheben, wo seit 1987 unermüdlich Forschung und Lehre aufgebaut werden. Das politische Ziel ist es, Wissen und Können im Großherzogtum zu festigen, um die Industrialisierung im Lande aufrecht zu erhalten und eine wirtschaftliche Diversifizierung umzusetzen. Initiativen wie das Unternehmen SES, der einsetzende Aufbau eines Raumfahrtsektors und andere Aktivitäten wie Informations- und Kommunikationstechnologien sind nächste Schritte, um die Diversifizierung zu festigen.
Ein solches Unterfangen kann nur gelingen, wenn Luxemburg weiterhin aktiv an bilateraler Zusammenarbeit mit anderen Ländern sowie an europäischen Programmen teilnimmt. Solche Kooperationen benötigen nicht nur das Zusammenspiel mit der Wirtschaft, sondern auch mit ausländischen Partnern in Forschung und Lehre. Hier sei die Zusammenarbeit zwischen – dem Nationalen Luxemburger Forschungsfond, „ Fonds National de la Recherche – FNR“ und der Deutschen Forschungsgesellschaft –DFG erwähnt.
Aber bleiben wir beim deutsch luxemburgischen Vergleich.
Ich möchte hervorheben, dass in Deutschland ein starker Mittelstand von KMU’s die treibende Kraft – und dem damit verbundenen Wachstum, auf den Gebieten von Forschung und Entwicklung gewährleistet. Dies beruht auf der einen Seite auf gewachsenen wirtschaftlichen Strukturen und auf der anderen Seite auf einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungszentren. Man sollte auch erinnern, dass das Ausbildungswesen von Lehrlingen und Fachkräften ein wesentlicher Beitrag zur Festigung dieses Modell darstellt.

Was den Erhalt, bzw. den weiteren Aufbau des Mittelstandes anbelangt, so besteht in Zukunft Handlungsbedarf in Luxemburg.
Doch was die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen sowie Forschung und Lehre anbelangt, gibt es eine Anzahl attraktiver Instrumentarien. Zum Beispiel, die vom FNR angebotenen Stipendien für Master Absolventen(innen), genannt „Aide à la Formation Recherche –AFR“. Diese ermöglichen eine Doktorarbeit im Unternehmen, und dies im Verbund mit Universitäten im In- und Ausland sowie an inländischen oder ausländischen Forschungszentren.
Es ist diese Verbindung aus „Forschung und Lehre“ im Zusammenspiel mit „Wissenschaft und Unternehmertum“ die dem Motor „Forschung und Entwicklung“ die Turboladung gibt!
Dies gilt es unbedingt in Luxemburg einzuführen und zu stärken.
Was braucht es neben „Wissenschaft und Unternehmertum“?
Wichtig ist das Zusammenlegen von öffentlichen Forschungszentren, wie das von CRP Tudor und CRP Lippmann. Weiter sollte die Zusammenarbeit zwischen Forschung & Lehre, sprich zwischen Universität und öffentlichen Forschungszentren, ausgebaut werden.
Es gilt rasch, aber mit „Eile und Weile“, diese Prozesse in Luxemburg umzusetzen – dies im Interesse von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.
Diese Initiativen stellen einen wichtigen Beitrag in der Re-Industrialisierung und wirtschaftlicher Neuausrichtung des Standortes Luxemburg dar.
Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass „Forschung & Entwicklung“ als Motor für technologisches und wirtschaftliches Wachstum eines Landes unabdingbar sind- dies auch für Luxemburg und seine Partner!
Wir alle, die heute Abend anwesend sind, können einen aktiven Beitrag dazu leisten: Unternehmer, Ingenieure, Betriebswirte, Wirtschaftswissenschaftler, Forscher, Banker, Anwälte und Politiker.
Wir sitzen alle im gleichen Boot und können „Wissenschaft und
Unternehmertum“ fördern und dadurch dieses Land erfolgreich weiter entwickeln.
In diesem Sinne erlaube ich mir auch, das mit dieser Auszeichnung verbundene Preisgeld entsprechend einzusetzen.
Zum einen möchte ich es zu einem kleinen Teil in Form einer internen Feier an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Dank für ihr Engagement weiter geben. Den Hauptbetrag. möchte ich zu gleichen Anteilen an zwei Stiftungen weiterleiten – Stiftungen, die sich in Luxemburg mit dem Thema Forschung und Entwicklung beschäftigen.
Es sind dies : die « Fondation Ouverte pour la Construction de l’Avenir du Luxembourg –FOCAL » sowie die « Fondation Luxembourgeoise des Ingénieurs, Architectes et Industriels – FLIAI ».
Beide Stiftungen fördern die wirtschaftliche und technologische Entwicklung in Luxemburg auf dem Gebiet der Re-Industrialisierung, bzw. fördern die Arbeitsmöglichkeiten der naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Berufe in Luxemburg.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Es braucht kluge und entschlossene Entscheidungsträger in diesem Land, die Unternehmertum und Engagement fördern, die einen starken innovativen Mittelstand erhalten und dadurch, Mehrwert für jetzige und kommende Generationen erwirtschaften!
Gemeinsam werden wir es schaffen !
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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