Vergessene jüdische Architekten_

Vergessene Architekten – Bauten und Biographien jüdischer Architekten in Berlin

2013 wird die Machtübernahme der Nationalsozialisten 80 Jahre her sein, und die Novemberpogrome jähren sich zum 75. Mal. Dann soll in einer die ganze Stadt umfassenden Ausstellung gezeigt werden, wie in der bis 1933 pluralistisch lebendigen Weltstadt Berlin die Vielfalt des städtischen Lebens durch die nationalsozialistische Diktatur zersetzt wurde bis zur Zerstörung dieser Vielfalt, als jüdische Bewohner verfolgt, ausgeschlossen, deportiert und ermordet wurden.

In der von vielen Institutionen getragenen Ausstellung soll an diese zerstörte Vielfalt erinnert werden, indem konkret das Wirken und das Schicksal derjenigen hervorgehoben wird, die unter der Zerstörung zu leiden hatten.

Unsere Gesellschaft ist mit dem Projekt « Vergessene Architekten – Bauten und Biographien jüdischer Architekten in Berlin » beteiligt, das dem Schaffen jüdischer Architekten in der progressiven Verbindung zur zeitgenössischen Baukultur, dem Gedenken an den unermeßlichen Verlust durch ihre Eliminierung und dem Einsatz für die kulturelle Restitution der jüdischen Architekten und ihres Erbes gewidmet ist.

Mehr als 450 jüdischen Architekten wurde 1933 durch die Nationalsozialisten der Beruf verboten. Sie waren gezwungen, Deutschland zu verlassen. Diejenigen, die blieben, wurden in Konzentrationslager verschleppt und kamen dort ums Leben. Die Erinnerung an ihre Namen und ihr Werk wurde oftmals vollständig ausgelöscht. Die Bauten dieser Architekten, die oft Vertreter der Moderne waren und sich den neuen Bauaufgaben der Weimarer Republik widmeten, aber sind noch da und prägen bis heute das Stadtbild Berlins und die kulturelle Identität – auch in anderen Städten Deutschlands. Dazu gehören Kultur-, Geschäfts-, Kino- und Theaterbauten, innovative Großwohnungsbauten der 20er Jahre, aber auch viele bemerkenswerte Villen und Landhäuser.

Die Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten präsentiert aus Anlaß des Themenjahrs « 2013 – Zerstörte Vielfalt » eine Auswahl von ca. 30 oft auch bekannten Bauten jüdischer Architekten in Form thematischer Stadtrundgänge. Jeder ausgewählte Bau ist durch ein deutlich erkennbares Stadtzeichen im Stadtraum markiert, an dem über das Haus, seine Entstehung und Nutzung sowie über den Architekten informiert wird. Die Routen sind außerdem durch eine Anwendung im mobilen Internet sowie mit einem Faltblatt nachvollziehbar.

Damit soll auf die vergessenen Biographien der jüdischen Architekten hingewiesen werden, die durch die nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen aus ihren Bahnen geworfen wurden. Die biographischen Forschungen zu diesen Architekten weisen oft über Deutschland hinaus und sind intensiv mit Ländern wie Israel, den USA, aber auch vielen europäischen Ländern verwoben. Daher sind diese Rundgänge nun ein Beitrag zur Wiederherstellung und Intensivierung des europäischen Kulturerbes und zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Stadt.

Einige Bauten jüdischer Architekten sind in oder nach der Zeit des Nationalsozialismus verändert oder umgebaut worden. Manchmal wissen die heutigen Eigentümer oder die Bewohner gar nichts über die Entstehung oder den Architekten ihrer Häuser. Mit den Rundgängen und Stationen läßt sich auch die kulturelle Vielfalt dieser Stadt wiederentdecken.

Am Freitag, 24.5.2013 wurde die Open-Air-Ausstellung mit einer Auswahl von 26 markanten Bauten sowie von Biographien von mehr als 450 jüdischen Architekten eröffnet. Sie erhielten ab 1933 durch die Nationalsozialisten Berufsverbot und waren gezwungen, Deutschland zu verlassen; diejenigen, die blieben, wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Die Erinnerung an ihre Namen und ihr Werk wurde oftmals vollständig ausgelöscht. Die Bauten dieser Architekten – meist Vertreter des Neuen Bauens – prägen bis heute das Stadtbild Berlins. Die 26 Bauten werden durch gut erkennbare Informationstafeln sowie in Form thematischer Stadtrundgänge präsentiert. Die Routen sind zudem durch eine Anwendung im mobilen Internet sowie durch ein Faltblatt nachvollziehbar. Die Ausstellung und die Rundgänge sind somit auch ein Beitrag zur Revitalisierung des europäischen Kulturerbes und zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses der Stadt.

Kontakt: Tel: 030-771 97 59

Vergessene jüdische Architekten – Führung: Bauten der Großstadt (Ehemaliges Kaufhaus Jonas)

Sonntag, 30. Juni 2013, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr 

Im Rahmen der Open-Air-Ausstellung zu Bauten vergessener jüdischer Architekten werden in der Führung verschiedene „Bauten der Großstadt“ und ihre Architekten vorgestellt. Dazu zählen moderne Geschäftshäuser, Verwaltungsbauten, Theater, Kinos und Schulen. Neben dem ehemaligen Kaufhaus Jonass (heute Soho House Berlin) von G. Bauer und S. Friedländer werden auch die Volksbühne von Oskar Kaufmann und die ehemalige jüdische Mädchenschule von Alexander Beer gezeigt. Der Rundgang findet vor allem in Mitte (teilweise mit der U-Bahn) statt.

Treffpunkt: Ehemaliges Kaufhaus Jonass, Torstraße 1, Ecke Prenzlauer Allee, 10119 Berlin
Kontakt: Claudia Marcy, Tel: 030-771 97 59
Eintritt Erwachsene 8,00 €
Ermäßigter Eintritt 5,00 €
 
Vergessene jüdische Architekten – Führung Radtour: Villen und Landhäuser (Ehemaliges Haus Bab)
Sonntag, 28. Juli 2013, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Vor allem im Südwesten Berlins entstanden in den zehner und zwanziger Jahren zahlreiche Villen- und Landhausbauten. Dabei ließen sich viele jüdische Auftraggeber ihre Wohnbauten von jüdischen Architekten entwerfen. Auf der Fahrradtour werden verschiedene Landhäuser und ihre Architekten vorgestellt. Die Spannbreite reicht von der repräsentativen Unternehmervilla mit Parkanlage von Adolf Wollenberg bis zum sachlich modernen Doppelwohnhaus von Rudolf Fränkel.

Treffpunkt: ehemaliges Haus Bab, Ruhrstraße 12 A, Ecke Konstanzer Straße, 10709 Berlin
Kontakt: Günter Schlusche, Tel: 030-771 97 59
Eintritt Erwachsene 8,00 €
Ermäßigter Eintritt 5,00 €
 
www.juedische-architekten.de
Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather