Floating Architecture Movement_

Stadtentwicklung in Deutschland

Die neue Hausboot-Bewegung – Floating Architecture Movement

Die Hausboot-Bewegung in Deutschland wird als Teil einer von Vielfalt geprägten Urbanität in die Innenstädte geholt. Hamburg ist der Vorreiter dieser Entwicklung.Verträumt, poetisch und neben der Zeit erzählte der deutsche Regisseur Helmut Käutner seinen 1944 gedrehten und erst 1950 uraufgeführten Film Unter den Brücken mit Hannelore Schroth, Gustav Knuth, Carl Raddatz in den Hauptrollen und der jungen Hildegard Knef in einer Nebenrolle. Liese-Lotte, so der Name des Schleppers, ist Wohnung und Arbeitsplatz für Willi und Hendrik, ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit auf dem Wasser und bald auch Heimat für Anna. Immer wieder schwenkt die Kamera auf den Fluss, dazu leichte Wellen, Himmel, Spiegelungen, Licht und Schatten, die sich mit den feinen Geräuschen des Wassers zu einer Liebeserklärung an die Stadt, die Spree und die Menschen mit ihren kleinen und großen Problemen verdichten.

Hausboot als Aussteigermodell

Dieses Gefühl, nah dran am Leben zu sein und dennoch abgelöst von der Welt, entdeckten in den 1960er- und 1970er-Jahren zahlreiche junge Leute als alternative Wohnform. Das Leben auf dem Hausboot wurde nicht nur in Amsterdam und Kopenhagen zum beliebten Ziel für eine Generation, die sich gegen das Establishment beziehungsweise Settlement richtete. In Berlin, Hamburg und Köln existieren bis heute feste Liegeplätze für die zu Hausbooten umgebauten Kähne und Binnenschiffe. Während die Stadt Amsterdam diese Aussteigermodelle und Gegenentwürfe zum bürgerlichen Leben und Wohnen auf dem Land kontinuierlich aus der historischen Innenstadt verdrängt und stattdessen in den außerhalb liegenden Neubaugebieten wie zum Beispiel in Ijburg schwimmende großflächige Appartement- und Villenkomplexe bauen lässt, wird die Floating Architecture in Deutschland als Teil einer von Vielfalt geprägten Urbanität in die Innenstädte geholt.

Hamburgs neue Hausflotte

Hamburg ist Vorreiter dieser Bewegung. Seit Februar 2010 liegt das IBA-Dock als größtes schwimmendes Bürohaus und neuer Geschäftssitz der IBA (Internationale Bauausstellung) im Müggenburger Zollhafen. Dieser dreistöckige Kubus aus grün, blau, schwarz und weiß verkleideten Stahlmodulen ist ein Entwurf von Han Slawik aus Hannover. Jörn Walter, Oberbaudirektor der Hansestadt Hamburg, eröffnete bereits 2006 und 2007 zwei im Verfahren unterschiedliche Pilotprojekte für schwimmende Häuser. In einem Investorenauswahlverfahren im Stadtteil Hammerbrook sind in direkter Fortsetzung des Berliner Bogens von Bothe Richter Teherani am Viktoriakai insgesamt 15 Liegeplätze mit zwei unterschiedlichen Haustypen von netzwerkarchitekten und ff-architekten ausgewählt worden.
Ein weiteres Pilotprojekt befindet sich auf dem Eilbekkanal, zwischen den Stadtteilen Barmbek-Süd und Eilbek, in unmittelbarer Nähe zur Hochschule für Bildende Künste auf der Uhlenhorst. Ein 2007 durchgeführter Wettbewerb hatte zehn Entwürfe zur Realisierung empfohlen, alle von unterschiedlichen Architekten entworfen. Die ersten schwimmenden Häuser haben bereits in den beiden Abschnitten an der sich lang ziehenden Uferstraße angelegt, mitten in der Stadt und dennoch idyllisch und naturnah. Jedes Haus hat eine eigene Hausnummer, einen Steg, darunter liegend die Versorgungsleitungen. Aber das sind dann auch schon die wenigen, sichtbaren Gemeinsamkeiten. Jeder schwimmende Bau hat einen ganz individuellen Charakter, eine andere Form und ist geprägt von unterschiedlicher Materialität.

Funktionale Grundrisse, optimale Ausnutzung

Es sind Häuser zum Wohnen und zum Arbeiten, die aufs Wasser verlegt sind. Anstatt auf einer Bodenplatte liegen sie auf einem Ponton aus Stahlbeton, der auf einer Werft gebaut ist und dann zum Liege- und Bauplatz geschleppt wurde. Wie bei Baugrundstücken an Land sind Abstände zwischen den Plätzen vorgeschrieben, ebenso die Grundfläche, die nicht mehr als sechs Meter breit und 20 Meter lang sein darf. Dementsprechend sind die Grundrisse funktional gestaltet und jeder Raum mit Einbaumöbeln und wenig Inventar optimal genutzt.

Offenheit, Klarheit, Großzügigkeit durch fließende Räume

Von der engen Schiffskajüte aber ist jedes der schwimmenden Häuser meilenweit entfernt. Offenheit, Klarheit, Großzügigkeit durch fließende Räume und markante Freiflächen auf Ober- und Zwischendecks im Untergeschoss bieten Platz, um sich innen wie außen eins zu fühlen mit der Landschaft am Wasser. Die Dampfermotive der Goldenen Zwanziger finden hier endlich ein passendes Zuhause. Die große Fensterluke zur Kanalseite im Haus des Innenarchitekten Martin Müller-Wolf bietet sich gleichzeitig als gemütlich verträumter Sitzplatz an. Sprenger von der Lippe Architekten evozieren mit ihrer Cortenstahlfassade Assoziationen an Industriehafen, Container und gestrandete Schiffskörper. Rost Niderehe Architekten erinnern mit ihren galanten, rund geschwungenen Holzfassaden, Decks und Glasflächen ebenso wie Rolf Zurl von dinsefeestzurl architekten mit einer sachlich reduzierten aber dynamischen Architektursprache an die Villen- und Geschäftshausbauten der 1920er-Jahre. Das maritime Vorbild Hausboot aber scheint mit Ausnahme des umgebauten Wohnschubschiffes „Preißnitz“ und Hamburgs neuer Eventlocation „One-of-One“ eher ausgedient zu haben. Dieser Silberpfeil der schwimmenden Hausflotte geht zurück auf einen Entwurf von baubüro.eins und MONO Architekten und bietet Platz für 120 Menschen, für Konferenzen, Partys oder Fotoshootings.
Schwimmende Architekturen mit Eventcharakter haben auch in Berlin Station gemacht, wie zum Beispiel der zum Wasserbassin umgebaute Lastkahn im Osthafen mitten in der Spree nach einem Entwurf von AMP arquitectos mit Gil Wilk und der Künstlerin Susanne Lorenz. Die Floating Architecture Movement aber dockt auch in kleineren Städten an. In Oldenburg, Kiel und in der Lausitz sind weitere Prototypen auf Kurs.

Ute Maasberg ist Kuratorin und Publizistin, sie lebt in Braunschweig.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion April 2012

Zu unserem Titelbild – Mit dem Perlboot die Wasserwelt entdecken

Die Nautilus kennt wohl jeder – jenes legendäre U-Boot des Käpt’n Nemo aus der Feder von Jules Verne.

Doch was ist der Nautilus? Er sieht aus wie eine einfache Schnecke, ist aber ein geheimnisvolles Unterwasserlebewesen aus der Familie der Nautiliden – zu Deutsch: Perlboote. Und er ist der Namensgeber der Firma Nautilus Hausboote, die in Köpenick, dem wasserreichsten Berliner Bezirk, direkt an der Dahme ihren Sitz hat.

Wer die Nautilus Hausboote sieht, erkennt sofort, was Firmengründer und Architekt Andreas Hoffmann bei der Namensgebung inspiriert hat: die organischen Formen seiner schwimmenden Häuser, die mit ihren harmonischen Rundungen in Eleganz und Natürlichkeit an eben jenen Nautilus erinnern, der Hunderte Meter tief in seinem Haus im Pazifik lebt. Bei den Entwürfen der Marke Nautilus handelt es sich um schwimmende Architektenhäuser, die nach den individuellen Wünschen der Kunden geplant werden. Beim Bau kommen zeitlose Materialien wie Holz, Glas und Stahl zum Einsatz. Und eine für Hausboote ungewöhnlich großzügige Panoramaverglasung verschafft jedem Perlboot-Kapitän auf seinen Reisen einen faszinierenden Ausblick in die Natur.

www.nautilus-hausboote.de

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