Schüler lernen Zivilcourage – Evaluationsbericht zum Projekt _

Das Projekt zielt auf die Förderung von Zivilcourage und die Verminderung von Aggressionen unter Schülerinnen und Schülern. Damit trägt es zur Persönlichkeitsentwicklung der beteiligten Schüler bei, die zu ver-antwortungsvollen und mutigen Bürgern heranwachsen. Gleichzeitig leistet es einen Beitrag zur Vorbeugung von Aggression und damit zum Schutz derjenigen Kinder und Jugendlichen, die sich nur schwer selbst gegen verbale, relationale und physische An-griffe ihrer Mitschüler wehren können. Für diese schikanierten Schüler macht es einen großen Unterschied, ob alle wegschauen oder ob sich andere Gleichaltrige zivilcoura-giert gegen die unfaire und herabwürdigende Behandlung der Opfer einsetzen.
Der vorliegende Bericht bietet einen Überblick zur empirischen Evaluation des Projekts und es wird dabei eine Auswahl statistisch bedeutsamer Unterschiede zwischen den Trainingsbedingungen vorgestellt. Für eine methodisch vertiefte Analyse sei auf die Dissertation zu diesem Thema hingewiesen (Pfetsch, 2010).
Ich danke allen Schülern und Lehrkräften, Schulleitern und Primarschulinspektoren, die an dem Projekt „Schüler lernen Zivilcourage“ engagiert teilnahmen, sowie Frau Simone Heinen (Collège des Inspecteurs, Inspecteur Général de l’Enseingement Primaire) und Herrn Norbert Berens (Service de l’Enseignement, Responsable pour la Formation Continue) für ihre wohlwollende Kooperation. Ich danke dem Fonds National de la Re-cherche, Luxemburg, für die finanzielle Unterstützung dieser Arbeit. Schließlich gilt mein herzlicher Dank Herrn Prof. Dr. Georges Steffgen, der dieses Projekt nachhaltig unterstützt hat und maßgeblich zu dessen erfolgreicher Umsetzung beigetragen hat.

Zusammenfassung
Obwohl ein Großteil der Schülerinnen und Schüler Aggressionen durch Mitschüler ab-lehnt, ergreift nur ein kleiner Teil Partei für die Opfer. Diese Schüler zeigen Zivilcoura-ge, setzten sich also unabhängig von möglichen Nachteilen für andere Mitschüler und gegen eine Verletzung grundlegender Normen ein. Andere Schüler, die als soziale Ver-stärker, Assistenten und Außenstehende in Aggressionssituationen anwesend sind, können solch zivilcouragiertes Verhalten in einem Training lernen.
Die vorliegende Evaluationsstudie untersuchte die Frage, wie Zivilcourage wirksam trainiert werden kann. Dafür wurde ein Zivilcourage-Training für Schüler entwickelt, dass sowohl an den einzelnen Schülern ansetzt (Kompetenzen für zivilcouragiertes Verhalten) als auch Aspekte der Schulklasse mit einbezieht (soziale Rollen bei Ag-gression, Gruppenprozesse, Normen). Das Schülertraining wurde von den Klassenleh-rerinnen und Klassenlehrern durchgeführt, die vorher an einer Weiterbildung des Au-tors teilgenommen hatten (Multiplikatoren-Ansatz).
Die Evaluationsstudie basiert auf Fragebögen für Schüler und Lehrer, die das Ausmaß an Viktimisierung (Erleiden von Aggression) und Zivilcourage erhoben, ebenso wie die Zustimmung zur Norm der sozialen Verantwortung sowie Empathie (Mitgefühl). Trai-nings- und Kontrollgruppen wurden zu drei Messzeitpunkten befragt: vor dem Training, nach dem Training sowie drei Monate später. An dem Projekt nahmen 13 verschiedene Primar- und Sekundarschulen in Luxemburg teil, mit 33 Trainingsklassen und 26 Kon-trollklassen. Davon gingen die Antworten von N = 638 Schülern in die Analysen ein. Als Ergebnis zeigte sich, dass das Training sowohl zu einer Steigerung der Empathie führte als auch zu einer Reduktion des passiven Bystanderverhaltens und der Viktimi-sierung. Ferner war eine vollständige Umsetzung des Trainings mit einer besseren Trainingswirkung verbunden. Daher wird das Zivilcourage-Training für die Durchfüh-rung in der Schule sowie die weitere Forschung zur Aggressionsprävention empfohlen.

[Lire plus] Evaluationsbericht (pdf)

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