Museum Boppard_

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©Thonet Museum

Kurfürstliche Burg und Thonet Museum

Die 1327 erbaute Kurfürstliche Burg am Flussufer ist eines des eindrucksvollsten Gebäude am Mittelrhein. Ehemalige Zoll- und Zwingburg der Trierer Kurfürsten. Das Museum der Stadt Boppard befindet sich in der Kurfürstlichen Burg und wurde vor rund 100 Jahren dort eingerichtet. Ausstellungsschwerpunkte: -Bugholzmöbel von Michael Thonet -Wandmalerei und weitere sakrale Gegenstände (2.Hälfte 14.Jh.) -Exponate der römischen Periode Boppards -Geschichte Boppards von der Frankenzeit bis zum 19.Jh. -Ausstellung verschiedener Zeugnisse der Stein- und Bronzezeit.
Was verbindet Wiener Kaffeehausatmosphäre mit dem romantischen Rhein? Hier in Boppard am Rhein erblickte 1796 Michael Thonet das Licht der Welt. Er wurde nicht einfach nur Schreiner, sondern zugleich Möbelfabrikant und entwickelte in dieser Sparte eine neue Methode der Möbelherstellung. Thonet experimentierte mit Holz, Dampf und Druck. Es entstanden die berühmten Bugholzmöbel, darunter auch der Klassiker des Wiener-Kaffeehausstuhls, den er nach späterer Übersiedlung in Wien entwickelte und fertigte. Die Thonet-Sammlung bildet das Herzstück des Museums der Stadt Boppard, das seit rund 100 Jahren in der Kurfürstlichen Burg residiert. Die mächtigen Mauern beherbergen noch weitere Ausstellungen, die neben Zeugnissen der Siedlungsgeschichte, das Leben und Werk berühmter Bopparder Bürger widerspiegeln. In der ehemaligen Hauskapelle im Turm findet man aus dem 14. Jh. die bedeutendste Raumausmalung, die in einer rheinischen Burg erhalten blieb.

Michael Thonet
wurde am 2.7.1796 als Sohn eines Gerbermeisters in Boppard geboren. Er machte eine Lehre als Kunsttischler und gründete mit 23 Jahren seinen eigenen Betrieb als Bau- und Möbeltischler in Boppard. Thonet begann Möbelteile wie Kopfschwingen aus Schicht- und Furnierholz zu fertigen, bis er schließlich ganze Stühle in gebogenen Formen auf den Markt brachte. Er ließ seine Erfindung in England, Frankreich und Belgien patentieren. 1841 stellte er seine Schichtholzstühle in Koblenz aus, wo sie auch der österreichische Kanzler, Fürst Metternich, der aus Koblenz stammte, sah und begeistert war. Dieser empfahl Thonet, nach Wien zu gehen. 1842 folgten seine Frau und 5 Söhne nach.
Am 16.07.1842 wurde Thonet das Privileg verliehen: „Jede, auch selbst die sprödeste Gattung Holz auf chem.-mech. Wege in beliebige Formen und Schweifungen zu biegen. » In Wien arbeitete Thonet für den Parketthersteller Carl Leistler und schuf prachtvolle Parkettfußböden und Sessel für das Palais Liechtenstein. Als der Vertrag mit Leistler auslief, gründete Thonet, inzwischen schon 53 Jahre alt, im April einen eigenen Betrieb zur Herstellung von Bugholzmöbeln.
Mit dem Stuhl Nr. 4 führten die Thonets den 1. Auftrag für ein öffentliches Lokal aus: das Kaffeehaus Daum in Wien. Auf der Weltausstellung im Kristallpalast zu London stellte Thonet zum ersten Male Luxusmöbel aus, die mit ihrer Originalität und Eleganz Aufmerksamkeit auf sich zogen. Er gewann die Bronzemedaille. 1855 erzielten die Fa. Gebr. Thonet die Silbermedaille bei der Pariser Weltausstellung. Die Ausfuhr ins Ausland lief an. – Die Bugholzmöbel waren zerlegbar und eigneten sich durch die niedrigen Transportkosten sehr für den Export. Weitere Fabriken entstanden in Mähren, Ungarn und Polen. Der 1859 entwickelte Stuhl Nr. 14 aus massiver Buche erwies sich als erfolgreichstes Modell und wurde bis 1893 in einer Stückzahl von 15 Mio. hergestellt.
1867 erzielten die Thonets die höchste Auszeichnung: Die Goldmedaille bei der Weltausstellung in Paris. 1869 lief das Privileg von 1856 aus, doch da man den Markt beherrschte, wurde es nicht erneuert. Michael Thonet starb am 3.3.1871 im Kreise seiner Kinder; die 5 Söhne fuhren fort, die Produktion auszuweiten.
Um die Mitte der 70er Jahre beschäftigten die Thonets 4.500 Arbeiter und produzierten täglich 2.000 Möbelstücke, davon allein 1.750 Stühle. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Familienbetrieb in eine AG umgewandelt. Bald danach vereinigte man sich mit dem wichtigsten Konkurrenten, der Firma Jacob und Josef Kohn. Heute stellt die Firma Gebr. Thonet GmbH in Frankenberg/Eder in ansehnlichen Mengen u. a. die klassischen Modelle her. 300 Mitarbeiter unter der Leitung von Michael Thonets Ururenkeln, setzen die Bugholztradition fort.

http://museum-boppard.de/

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