Software + Gespür gegen Plagiatversuche_

Ob Abschreiben in einem Bachelor-Examen oder Plagiat in der Doktorarbeit:  Schummel- und Betrugsversuche nimmt die Universität Luxemburg sehr ernst, zumal sie als junge Institution besonders hohen Wert auf den Aufbau ihrer akademischen Reputation legt. Verschiedene Fachbereiche wie etwa die Juristen nutzen für die Kontrolle von Studentenarbeiten eine spezielle Antiplagiat-Software.

Bachelor- und Master-Studierende zum Beispiel laden ihre Arbeit auf eine hochschulinterne virtuelle Plattform, wo sie automatisch von der Software gecheckt wird. Diese gleicht den Text der Arbeit in kürzester Zeit mit Millionen von Webseiten ab – auch mit PDFs und anderen Formaten – und meldet dem Professor den Grad der Übereinstimmung in Prozenten. Dieser kann die Vergleichsseite dann abrufen und nachprüfen, ob der Student die Passage korrekt zitiert hat oder nicht.

Zu wissen, dass kontrolliert wird, wirke schon allein sehr abschreckend auf die Studierenden, erklärte Prof. Dr. Mark Cole vom Jura-Fachbereich in einem Interview mit Radio 100komma7( http://www.100komma7.lu/files/2/0/205647_invite-virum-dag.mp3 ). Dies hätten auch Erhebungen von Universitäten ergeben, die entsprechende Software eingeführt und die Studenten darüber informiert haben.

Systematische Kontrolle

Die in Luxemburg benutzte Software, ein niederländisches Produkt, soll nach Auskunft von Verwaltungsdirektor Eric Tschirhart in Kürze für die ganze Universität gekauft, implementiert und dann systematisch in allen Fachbereichen und auf allen Ebenen – von der Seminar- bis zur Doktorarbeit – angewandt werden.

Aber auch ohne Software erkennen viele Hochschullehrer Schummelversuche recht schnell. „Man bekommt mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, wenn sich der Stil einer Arbeit plötzlich ändert oder wenn einem Passagen bekannt vorkommen – dann bringt oft schon die Suche per Google einen Treffer“, versichert Mark Cole. Zudem baue der Jura-Fachbereich derzeit eine interne Datenbank mit nicht veröffentlichten Studentenarbeiten auf, die dann mit neuen Arbeiten abgeglichen werden könnten. Aber eine hundertprozentige Kontrolle gebe es natürlich nicht, weiss auch der Jurist.

Wie an vielen Universitäten üblich müssen auch Studierende der uni.lu beim Abfassen einer schriftlichen Arbeit eine eidesstattliche Erklärung abgeben und versichern, dass sie die Arbeit selbst und ohne fremde Hilfe erstellt haben. Wird der Autor dann doch beim Schummeln erwischt, so hängen die Sanktionen von der Schwere des Betrugsversuchs ab. „Man muss differenzieren, ob ein Student am Anfang seines Studiums steht oder am Ende“, gab Rektor Rolf Tarrach in einem RTL-Interview zu Bedenken. Sanktionen reichen von der Aberkennung der Punkte beim klassischen Abschreiben im Examen bis zum Ausschluss aus dem Studium. Etwa ein bis zwei Studierende pro Semester würden bei Betrugsversuchen „erwischt“, so der Rektor. Noch kürzlich habe er einem Studenten schriftlich mitgeteilt, dass er für die Dauer eines Jahres vom Studium an der Universität Luxemburg ausgeschlossen sei. Damit sei er aber nicht an anderen Hochschulen gesperrt.

Erkannte Plagiatsfälle bei Doktorarbeiten hat es an der Universität Luxemburg, die derzeit rund 360 Doktoranden betreut und bis heute über hundert Doktortitel vergeben hat, bisher nicht gegeben.

Pressemitteilung der Universität Luxemburg

www.uni.lu

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