Ludwig Leo (1924–2012)_

Kurz hinter dem Ernst-Reuter-Platz zwischen Tiergarten und dem Zoologischen Garten befindet sich die Charlottenburger Schleuseninsel. Markantestes Merkmal ist ein himmelblaues Bauwerk, das sich mit seinen rosafarbenen Riesenrohren so gar nicht in die grüne Landschaft des Tiergartens einfügt. Der denkmalgeschützte Bau des Architekten Ludwig Leo entstand in den Jahren 1968 bis 1975 und wurde als Umlauftank der „Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau“ der Technischen Universität in Betrieb genommen. So konnte man hier auf einem unterirdischen Kanal den Widerstand und das Seegangverhalten von Booten testen oder die Entstehung von Hohlräumen bei Unterdruck im Wasser erforschen.

von: Harbusch, Gregor, Zürich

Am 1. November ist Ludwig Leo im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben. In den Architekturkreisen des alten Westberlin war er legendär, international seit langem ein Geheimtipp. Er arbeitete zurückgezogen und verblüffte mit jedem Entwurf aufs Neue. Gebaut hat er nur wenig. Leo war einer der eigenwilligsten deutschen Architekten nach 1945. Er gehörte zu jener Generation junger Architekten, die direkt nach dem Krieg zu studieren begann und sich von der unbeschwerten Rasterfassaden- und Nierentischästhetik der unmittelbaren Nachkriegszeit distanzierte, um sich genuinen Fragen der Architektur und der sozialen Verantwortung des Architekten zuzuwenden.

Leos Biografie ist unauflösbar mit dem Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs und dem Neuaufbau Deutschlands verknüpft, beides hat ihn als Architekt geprägt. Am 9. September 1924 wurde er in Rostock geboren. Sein Vater, der Arzt gewesen war, starb, als Leo drei Jahre alt war. Mutter und Sohn mussten mehrmals den Wohnort wechseln, bis die Mutter 1934 Arbeit in Magdeburg fand. 1942 legte er in Frankfurt am Main das Not­abitur ab und wurde sofort eingezogen. Die Mut­-ter sah er nie wieder, sie überlebte den Krieg nicht. Leo wurde kurz vor Ende des Krieges an der Ostfront so schwer verwundet, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Nach der Kriegsgefangenschaft studierte er Hochbauingenieurwesen an der Staatsbauschule in Hamburg. 1951 ging er nach Berlin, um sich an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) für das Architekturstudium einzuschreiben, das er 1954 beendete. Leo lebte im Studentendorf Eichkamp, das direkt nach dem Krieg von Architekturstudenten der HBK als Selbstbauinitiative entstanden war. Dort lernte er auch seine spätere Frau Sheila kennen. Ab Mitte der 50er Jahre trat er mit eigenen Entwürfen in Erscheinung. Die 60er und frühen 70er Jahre waren Leos produktivste Zeit. Mit Antritt seiner Professur an der HBK 1975 verzichtete er darauf, als selbständiger Architekt zu arbeiten.

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