Kopf an Kopf mit Harvard_

LCSB-Wissenschaftler Dr. Enrico Glaab hat den öffentlichen Wissenschaftswettbewerb der US-amerikanischen Geoffrey Beene-Stiftung gewonnen. In einem weltweiten Online-Voting – an dem neben Wissenschaftlern auch interessierte Bürger teilnehmen durften – war er mit einem neuartigen Forschungskonzept erfolgreich: Mit diesem will er das im Vergleich zu Männern erhöhte Alzheimer-Risiko von Frauen erforschen.

In dem knappen Rennen hat sich das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg gegen die US-Forschungselite der Harvard-Universität durchgesetzt. Das Team um Enrico Glaab erhält nun von der Geoffrey-Beene-Stiftung 50.000 US-Dollar für die Alzheimer-Forschung. „Wir freuen uns sehr über diesen gemeinsamen Erfolg“, sagt Enrico Glaab. Ohne die Unterstützung seiner Kolleginnen und Kollegen am LCSB und an der ganzen Universität, der Kooperationspartner und vieler Freunde wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen, so der Forscher: „Ich habe die Datenanalyse durchgeführt und den Text für die erste Runde des Wettbewerbs eingereicht. In der zweiten Runde waren mehrere Wissenschaftler am LCSB an der detaillierten Planung der Experimente beteiligt – und zuletzt haben uns viele Menschen ihre Stimme gegeben.“ Glaabs Projekt kombiniert experimentelle und Computer-gestützte Analysen. Die Zusammenarbeit zwischen Labor- und Informatik-Wissenschaftlern – die am LCSB besonders gefördert wird – war für die finale Runde des Wettbewerbs besonders wichtig.

Die Stiftung hatte für die Vergabe ihres „2013 Geoffrey Beene Global NeuroDiscovery Challenge“ stark auf das Internet gesetzt: Nachdem Experten aus den ursprünglich 800 Wettbewerbsbeiträgen aus 62 Ländern drei Finalisten – zwei aus den USA und einer aus Luxemburg – ausgewählt hatte, mussten diese ihre Vorschläge mit Videobeiträgen und allgemein verständlichen Texten im Web präsentieren. Anschließend konnten separat Laien und Wissenschaftler online darüber abstimmen. Bei einem Live-Event am 7. November an der New York Academy of Sciences floss noch das Urteil eines hochrangigen Gremiums aus Forschern und Wirtschaftsvertretern in die Abstimmung ein. Das Urteil der drei Gruppen wurde gewichtet – und Enrico Glaab zum Sieger gekürt.

Die Forschung

Altern wird als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Alzheimer-Erkrankung eingestuft, wobei Frauen in fortgeschrittenem Alter von der neurodegenerativen Erkrankung deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Studien des alternden menschlichen Gehirns zeigen zudem, dass Frauen und Männer Unterschiede in der Aktivität bestimmter Gene aufweisen – mit unter Umständen erheblichen Auswirkungen auf das Alzheimer-Risiko. Enrico Glaab hat ein solches Gen identifiziert; es heißt USP9 : Bei gesunden Männern ist das Gen im Gehirn viel aktiver als bei Männern, die an Alzheimer leiden. Bei Frauen zeigt solche statistisch signifikanten Unterschiede nicht – egal ob krank oder gesund, es ist in beiden Fällen etwa gleich aktiv. Das Gen spielt außerdem eine Rolle als Regulator in verschiedenen zellulären Prozessen, die mit Alzheimer zusammenhängen.

Die Forschungsfrage, die Enrico Glaab bewegt: Bietet die verstärkte Aktivität des USP9-Gens bei Männern einen Schutz vor Alzheimer? Mit dem Preisgeld der Geoffrey Beene-Stiftung wollen er und sein Team nun ihre Vermutung überprüfen – und herausfinden, ob sich daraus gegebenenfalls Präventionsansätze gegen Alzheimer entwickeln lassen.

Pressemitteilung der Universität Luxemburg

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