Interregionaler Wissenschaftspreis_

INTERREGIONALER WISSENSCHAFTSPREIS 2010

Künstliche Hüftgelenke „Saar-Lux“

Immer mehr älteren Menschen hilft eine Hüftgelenkprothese, bis ins hohe Alter beweglich zu bleiben. Der Eingriff ist eine Routine-Operation. Bei einigen Patienten entstehen Probleme, wenn sich das Gewebe rund um das künstliche Hüftgelenk entzündet und zeitweise eine Platzhalterprothese eingesetzt werden muss – die so genannte „Interimsprothese“. Forscher der Universitäten des Saarlandes und Luxemburgs haben nun gemeinsam Interimsprothesen entwickelt, die den betroffenen Patienten deutlich mehr Lebensqualität versprechen. An der Universitätsklinik Homburg/Saar wurden diese Platzhalterprothesen bereits erfolgreich eingesetzt.

Vor wenigen Wochen hat Thomas Thielen (31), Diplom-Ingenieur aus Trier, seine Doktorarbeit an der Universität Luxemburg abgeschlossen. Der Doktortitel krönt seine rund vierjährige Forschungsarbeit, von der jetzt die ersten Hüftgelenk-Patienten der Universitätsklinik Homburg/Saar profitiert haben. „In Deutschland benötigen pro Jahr circa 2000 Menschen mit künstlichem Hüftgelenk eine Interimsprothese aus Knochenzement. Sie ist ein Platzhalter, der Antibiotika abgibt und ein paar Monate im Körper verbleibt, bis der Infekt saniert ist und die normale Prothese wieder eingesetzt werden kann“, erläutert der junge Forscher die Ausgangslage. „Leider brechen diese Ersatzprothesen nicht selten, und eine erneute Operation ist erforderlich.“ Der Oberarzt PD Dr. med. Jens Kelm aus Homburg übernahm die medizinische Leitung, wobei die Kooperation auf Anregung von Prof. Romain Seil vom „Centre Hospitalier du Luxembourg“ zwischen den beiden Universitäten zustande kam.  „Die Idee war, die brüchigen  Interimsprothesen mit einem Titanstab zu verstärken“, erklärt Thomas Thielen. Dabei standen ihm von der Ingenieur-Forschungseinheit der Universität Luxemburg neben seinem Doktorvater Prof. Stefan Maas auch die Professoren Arno Zürbes und Danièle Waldmann zur Seite.

Wie erste Computer-Simulationen bestätigten, muss ein künstliches Hüftgelenk bei Alltagsbewegungen wie dem Treppensteigen bis zum Vierfachen des Körpergewichts aushalten und in sechs Monaten rund eine halbe Million Schritte mitmachen. In den Labors der Materialwissenschaften stellten die Forscher eine entsprechend titanverstärkte Platzhalterprothese her, die mit Hilfe eines eigens entwickelten Computermodells, dann an künstlichen und schließlich an menschlichen Knochen auf Stabilität und Dauerbelastung getestet wurde.

Nach intensiven wissenschaftlichen Tests konnten die Ärzte PD Dr. Kelm und Prof. Dr. Eduard Schmitt schließlich dem ersten Patienten an der Uniklinik Homburg/Saar die Weiterentwicklung implantieren. Mit Erfolg: „Der Infekt im Gelenk wurde erfolgreich saniert, die Prothese brach nicht. Der Patient konnte sich während der ganzen Behandlungszeit besser bewegen und hatte so mehr Lebensqualität“, so Dr. Thielen. Mittlerweile haben sechs Patienten die Interimsprothese „Saar-Lux“ erhalten. Die Forscher erwägen nun, die weiter entwickelte Platzhalterprothese möglichst breit gefächert einzusetzen, und haben Kontakt zu einschlägigen Firmen aufgenommen.

Infos:  stefan.maas@uni.lu

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