Innendämmung leicht gemacht_

Beitrag von Andrea Grond erschienen in Bauhandwerk Ausgabe 06/2011

Dämmung

Unter Denkmal- oder Ensembleschutz gestellte Bauten, reich gestaltete individuelle Fassaden und Gebäude mit verschiedenen Wohnungseigentümern – es gibt viele Gründe, warum bei der energetischen Sanierung im Bestand Fassadendämmungen nicht eingesetzt werden können. Doch auch eine Innendämmung, nach dem neuesten Stand der Technik und aus hochwertigen, natürlichen Materialien, sorgt für Energieeinsparung und Behaglichkeit beim Wohnen. Entscheidend ist die sorgfältige Analyse des Baubestandes und entsprechend fachgerechte Planung und Ausführung der Dämmung.

Tauwasserbildung und Innendämmung

Durch die immer bedeutender werdende energetische Sanierung wurde in den letzten 20 Jahren der Einsatz einer Innendämmung verstärkt untersucht: Im Winter bildet sich durch den Temperaturunterschied einer Außenwand zwischen Innen- und Außenseite ein Wärme- und Dampfstrom von innen in die Wandkonstruktion hinein. Für das Feuchteverhalten der Wand ist entscheidend, wie sich die Temperaturen über die Wandschichten verteilen. Es kann also an der kalten Seite der Wärmedämmung zu Tauwasserbildung kommen.

Das Problem lässt sich unterschiedlich lösen. Die Konstruktion kann von innen her gegen Wasserdampf abgedichtet werden, zum Beispiel durch eine Dämmung mit Schaumglas oder Mineralwolle plus Dampfbremse. Doch schon leichte Beschädigungen der Dampfbremse können die Konstruktion insgesamt schädigen. Als Alternative bietet sich ein kapillaraktives Innendämmsystem an, da hier anfallendes Tauwasser durch die kapillaraktiven Eigenschaften des Materials abgepuffert und schnell wieder an den Raum abgegeben werden kann. Der Vorteil dieses Systems ist der diffusionsoffene Aufbau der Wand, durch den Feuchtelasten gespeichert und bei Entlastung wieder abgegeben werden können.

Voraussetzungen für richtiges Feuchteverhalten der Wand

Folgende Voraussetzungen werden überprüft: Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Untergrund darf nicht vorhanden sein oder es muss eine horizontale Sperrschicht angelegt werden. Innenputze und Estriche sollten ausreichend ausgetrocknet sein. Die Schlagregendichtigkeit der Fassade muss gewährleistet sein, beispielsweise durch wasserabweisende Außenputzbeschichtungen oder Hydrophobierungen bei Sichtmauerwerk (DIN 4108-3 und DIN 18550 Teil 1). Auch bei Schlagregen-Beanspruchungsgruppen I und II muss der Außenputz beziehungsweise die Fassade durchgängig intakt sein.

Möglich ist ein rechnerischer Nachweis über das Feuchteverhalten der Gesamtkonstruktion. Ein für den Baupraktiker einfaches Verfahren ist COND, das das Feuchteverhalten und die kapillaraktiven Eigenschaften der Materialien mit einbezieht. Dieses Berechnungsverfahren ermittelt schnell den Einfluss einer Sanierung und eventuelle Schadensrisiken, erfüllt alle Anforderungen von DIN 4108 und wird von Knauf Perlite als kostenfreier Service angeboten. Klassische Software, die noch ausschließlich auf dem Glaserschema beruht und nur den Dampftransport im hygroskopischen Bereich berücksichtigt, ist für die Bewertung von kapillaraktiven Innendämmungen ungeeignet, da der Flüssigwassertransport nicht bewertet werden kann.

Wärmebrücken und die Wahl des richtigen Dämmmaterials

Wärmebrücken können bei innen liegender Dämmung zu niedrigen inneren Oberflächentemperaturen an den Endkanten der Dämmung führen. Die Wärmebrücken müssen Handwerker daher an allen Anschlussstellen – Fensterlaibungen, Geschossdecken, einbindende Innenwände – durch Begleitdämmungen reduzieren.

Zu einer umsichtigen Planung gehört die sorgsame Wahl des Materials. Hier hat sich das Angebotsspektrum in den letzten Jahren insbesondere bei den kapillaraktiven Dämmstoffen deutlich erweitert, was viele Lösungen für diffusionsoffene Konstruktionen eröffnet. Zu diesen kapillaraktiven Dämmstoffen gehört auch TecTem Insulation Board Indoor von Knauf Perlite, hergestellt aus natürlichem Perlit und Bindemitteln. Mit einer Wärmeleitfähigkeitsstufe von 045 (nach ETA – 08/0313), einem Wasserdampfdiffusionswiderstand von 5 bis 6 und einem Wasseraufnahmekoeffizienten von 1,98 kg/m2 s0,5 bietet diese Innendämmung Kennwerte, die eine hohe Dämmfunktion ermöglichen und darüber hinaus für ein gesundes Raumklima sorgen. Die formstabile Dämmplatte hat ein geringes Gewicht, ist faserfrei und baubiologisch unbedenklich, absolut schimmelresistent und nicht brennbar (Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1). Sie entspricht deutschen und europäischen Normen.

Sorgfältige Vorbereitung und Ausführung der Innendämmung

Voraussetzung für eine fachgerechte Montage der Dämmplatten ist ein ebener Untergrund, da sonst Hohlräume zwischen Wand und Dämmung entstehen können. Zur Egalisierung eignet sich ein Kalk-Zement- oder Kalkputz als Ausgleichsputz.

Alle Anschlüsse an Wandöffnungen wie Fenster, Türen sowie Fensterbänke werden sorgfältig abgedichtet. Laibungsflächen sowie einbindende Decken und Innenwände müssen schon bei der Planung berücksichtigt werden.

Der Untergrund muss trocken, tragfähig, staubfrei, frei von Ausblühungen und von unverträglichen Beschichtungen sein. Nicht tragende Altputze, Anstriche, Alttapeten, feuchteempfindliche Putze und Schimmel muss der Handwerker entfernen.

TecTem Insulation Board Indoor wird vollflächig mit dem auf das System abgestimmten Klebespachtel verklebt. Zu Beginn der Montage werden an Fußboden und Decke Entkopplungsstreifen angebracht. Für Passtücke können die Platten einfach mit dem Fuchsschwanz auf beliebige Maße zugeschnitten und dann waagrecht im Verband mit einem Mindestplattenversatz ≥ 20 cm angesetzt werden. Die Verlegung erfolgt dicht gestoßen, lot- und fluchtgerecht ausgerichtet.

An Fenster und Türen dürfen die Stoßfugen der Dämmplatten nicht über den Eckpunkten der Öffnungen oder den Anschlusszonen unterschiedlicher Bauteile (zum Beispiel Rollladenkästen) liegen. In den Ecken werden die Dämmplatten verzahnt.

Zur Vermeidung der Wärmebrückenwirkung wird die zum System gehördende Laibungsplatte als flankierende Dämmung an einbindende Innenwände und Decken montiert. Die einfache Verarbeitung der Platte, unter anderem mit einem Schleifbrett oder Cutter, eröffnet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. So kann die Platte beispielsweise an der Stirnseite in jedem gewünschten Winkel angeschrägt werden. Auch eventuell vorhandene Versatzstellen der Platten können nach dem Abbinden des Klebers einfach und zeitsparend mit einem Schleifbrett egalisiert werden. Fugen, die größer als 2 mm sind werden mit dem zum System gehörenden Füllmörtel verfüllt, größere Fugen mit Plattenstreifen geschlossen.

Eine Grundierung dient der höheren Haftfähigkeit der Oberflächenbeschichtung, bevor der Flächenspachtel aufgetragen und das Gewebe oberflächennah in den Flächenspachtel eingebettet wird. Die Verlegung ist sowohl horizontal als auch vertikal möglich. Die zu erreichende Dicke von Spachtel und Gewebe beträgt mindestens 4 mm. Das Gewebe muss im oberen Drittel der Armierungsschicht liegen. Zur Herstellung einer Putzoberfläche (Q2 – geglättet), beispielsweise für einen Anstrich oder eine diffusionsoffene Papiertapete, wird frühestens am Folgetag erneut Flächenspachtel etwa 1 mm dick aufgetragen und nach Versteifungsbeginn mit der Glättkelle oder Traufel beziehungsweise der Filz- oder Schwammscheibe geglättet.

Als Schlussbeschichtungen eignen sich diffusionsoffene Silikat-, Kalk- oder Kreidefarben oder diffusionsoffene Papiertapeten.

Die fachgerechte Dämmung von Innendecken

Die Montage der Dämmplatten an der Decke verläuft ebenso wie an den Wänden. Je nach Anforderung kann auf die vollflächige Armierung verzichtet und zum Beispiel anschließend auf die Grundierung ein Farbanstrich aufgebracht werden. Bei allen verputzten Oberflächen und bei Dämmplatten dicker 100 mm werden die Platten zusätzlich mit je einem Schraubdübel befestigt. Dazu werden nach ausreichender Aushärtung des Klebers die Bohrlöcher für die Dübel gesetzt, die Dübel oberflächenbündig mit dem Dämmstoff angebracht und die Schraubvertiefungen mit Füllmörtel geschlossen. Je nach Anspruch erfolgt dann der Anstrich oder die Verspachtelung mit Flächenspachtel und Gewebe.

Autorin

Dipl.-Ing. Architektin Andrea Grond ist nach ihrer Tätigkeit als Architektin in Köln und Luxemburg und als Geschäftsleiterin eines Stuckateurbetriebs seit 2007 als verantwortliche Produktmanagerin für das Dämmsystem TecTem Insulation Board für Knauf Perlite in Dortmund tätig.

www.bauhandwerk.de

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