In der waldreichen Region Eifel, die Nordrhein-Westfälischen und Rheinland-Pfälzischen Boden umfasst, aber auch nach Belgien und Luxemburg reicht, gibt es leistungsstarke Holzbauunternehmen sowie engagierte Kommunen und Brancheneinrichtungen, die gemeinsam und grenzüberschreitend das Ziel verfolgen, die heimische Forst- und Holzwirtschaft zu fördern. Dieses einzigartige, länderübergreifende Engagement zeigt und verfestigt der nun bereits zum dritten Mal verliehene Holzbaupreis Eifel, ein Wettbewerb, der qualitätsvolle Gebäude aus Holz in die Öffentlichkeit bringt.
In diesem Jahr wählte eine unabhängige Jury holzbauerfahrener Experten die besten unter 34 fertiggestellten Holzbauprojekten aus und entschied, vier gleichwertige Preise und sechs Anerkennungen zu vergeben.
Die feierliche Preisverleihung fand am 24. November im Holzkompetenzzentrum Rheinland in Nettersheim statt, das diesen Wettbewerb zusammen mit dem Holzbau-Cluster Rheinland-Pfalz und dem Impulszentrum Holz WFG Ostbelgien in Kooperation mit der Zukunftsinitiative Eifel und dem Netzwerk Wald und Holz Eifel e.V. auslobte. Der Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, Wilfried Pracht, sowie Karl-Heinz Dengel, Leiter des Regionalforstamts Hocheifel-Zülpicher Börde, sprachen allen Wettbewerbsteilnehmern Dank und Anerkennung aus. Sie betonten vor nahezu 100 Gästen ihre Überzeugung, dass beispielhafte Gebäude als Anschauungsobjekte am besten geeignet seien, der Bedeutung der Eifel als eine moderne, dem Holz verbundene Region größere Bekanntheit zu verschaffen.
Der Leiter der Nordrhein-Westfälischen Landesforstverwaltung, Hubert Kaiser, betonte die große Bedeutung der gesamten Branche Wald und Holz für die heimische Volkswirtschaft und für den Klimaschutz. Die Förderung des Holzbaus als zentralem Bereich der stofflichen Holzverwendung, für den es im Land noch Nachholbedarf gebe, sei ein wichtiges Anliegen der Landesregierung. Sie unterstütze deshalb die Entwicklung der Branche mit konkreten Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen, unter anderem mit der Änderung der Landesbauordnung, mit der Förderung des Clusterdialogs oder mit dem Portal „Holzbauten für Flüchtlinge“.
Dipl.-Ing. Architekt Joachim Seinecke als Juryvorsitzender wies darauf hin, dass die Auswahl angesichts der hohen Zahl meist hoch- und höchstwertiger Arbeiten nicht leicht gefallen sei. An Hand der in der Auslobung genannten Kriterien seien mit Hilfe eines Punktesystems in drei Bewertungsrunden die Finalisten und dann in der Endrunde vier Preisträger ermittelt worden. Auch unter Berücksichtigung der grundverschiedenen Aufgabenstellungen der Projekte seien diese Preise als gleichwertig vergeben worden.
Einer der Preise ging an das Biodiversum „Haff Remich“, ein Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude in Luxemburg, das in einem Vogelschutzgebiet, einer ehemaligen Kiesgrubenanlage, erbaut wurde. Der Konstruktion liegt die Idee eines umgedrehten Bootskörpers zugrunde. Sie nimmt damit die Thematik von Wasser, Seen und Flussläufen auf. Die Jury schätzte vor allem die schlüssigen konstruktiven Details. Form und Konstruktion bilden eine technische Einheit.
Ein weiterer Preis ging an das Projekt „Brücke Schönecken“, ein Projekt, das aus einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Trier resultierte. Ausgangspunkt war dabei die Aufgabenstellung, Rundholzelemente mit speziell für die jeweilig anliegende Konstruktion herzustellen sowie passende Polymerbeton-Verbindungselemente zu entwickeln. Die Konstruktion ermöglicht die Verwendung kurzer Einzelstäbe und ist insgesamt hoch innovativ, da die verwendeten Polymerknoten in dieser Form zum ersten Mal in Brückenkonstruktionen eingesetzt worden sind. Die Knotenpunktelemente ermöglichen in ihrer Art, Struktur und individuellen Fertigung die Übertragung auf vielfältige andere Anwendungsmöglichkeiten auch außerhalb des Brückenbaues.
Einen Preis erhielt außerdem das „Einhaus in der Eifel“. Die Jury urteilte, der Einreicher habe das traditionelle „Trierer Einhaus“ als Grundlage für die Entwicklung eines Konzeptes für ein modernes, sich über leichte Änderungen der Grundrisse wandelbares Wohnhaus herangezogen. Zudem seien für die Errichtung des Gebäudes Baustoffe und Recyclingmaterialien aus der unmittelbaren Gegend konsequent verwendet worden. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der erzielten nüchternen und doch sehr konsequenten Gestaltung des Gebäudes über dem traditionellen Grundriss.
Ein weiterer Preis ging an das Naturverwaltungsgebäude in Diekirch (Luxemburg). Die Jury sah in diesem Gebäude die gestalterischen Merkmale eindeutig durch die energetischen und konstruktiven Merkmale überboten. Das DGNB zertifizierte Gebäude ist als Verwaltungsgebäude mit einem massiven zentralen Versorgungskern und beidseitig gebauten kompletten Holzkonstruktionen konzipiert.
Insgesamt hat die hohe Qualität der Arbeiten die Jury bewogen, neben den vier Preisen auch sechs Anerkennungen auszusprechen.
_Preise:
Biodiversum „Haff Remich“
Bauherr: Le Gouvernement du Grand Duché de Luxembourg
Architektur: Valentiny hvp architects SARL, Remerschen, Luxembourg
Tragwerksplanung: SGI Ingénieurie S.A. Luxembourg, Junglinster (Lu)
Brücke Schönecken
Bauherr: Ortsgemeinde Schönecken
Planung und Bau: Floss Zimmerei und Blockhaus GmbH, Schönecken
Architektur: (Kooperationspartner) Hochschule Trier,
Firma Rampf Machine Systems GmbH & Co.KG
Tragwerksplanung: Statikbüro Michael Otto, Lierfeld
Einhaus in der Eifel, Lutzerath
Bauherr: Peter Thomé
Architektur: Thomé Architekten, Koblenz
Tragwerksplanung: Reiff + Partner Ingenieure, Andernach
Naturverwaltungsgebäude Diekirch
Bauherr: Administration des bâtiments de publics, Luxembourg
Architektur: Morph4 architecture, Canach , Luxembourg und Atelier b, Bereldange, Luxembourg
Tragwerksplanung: Daedalus Engineering, Heffingen, Luxembourg
_Anerkennungen:
Wohnanlage „Enercase II“ in Trier
Bauherr: Studierendenwerk Trier
Architektur: Grassinger Emrich Architekten, München
Tragwerksplanung: dHb Dürauer Hermann Brändle, Enningen
Gästehaus Kronenburg
Bauherr: Hetta Böttger, Kronenburg
Architektur: Urbanegestalt PartGmbH , Kronenburg
Tragwerksplanun : Dipl. Ing. Fritz Münster, Frechen
Beschcrèche Betzdorf, Roodt-Syre, Luxembourg
Bauherr: Administration Communale de Betzdorf, Mombach
Architektur: Witry und Witry S.A. Architecture Urbanisme, Echternach, Luxembourg
Tragwerksplanung: SGI Ingénierie S.A., Junglinster (Lu)
Hotel Sleepwood, Eupen, Belgien
Bauherr: Arthur und Gesche Genten, Anja Kreins, Marc Faymonville
Architektur: Atelier Weihershof, Eupen
Tragwerksplanung: Planungsbüro Greisch S.A., Liège
Pfadfinderhaus Les Aigles, Rollingergrund, Luxembourg
Bauherr: Ville de Luxembourg, Direction de l’Architecte, Service Bâtiments
Architektur: michelpetitarchitecte s.a.r.l., Luxembourg
Tragwerkksplanung: I.N.C.A Ingénieurs Conseils
4 Häuser = 1 Hof Feldhof in Bachem, Frechen
Bauherr: Caspar Freiherr von Fürstenberg, Frechen
Architektur: Lüderwaldt Architekten, Köln
Tragwerksplanung: Stracke Ingenieurgesellschaft mbH, Köln
Joachim Seinecke würdigte die ausgezeichneten Gebäude und gratulierte den anwesenden Bauteams. Der Beifall des Publikums ließ keinen Zweifel: Die Bauherren, Architekten, Ingenieure und Vertreter der Holzbaubetriebe waren eindeutig die Hauptpersonen des Abends.
Hintergrund
Das Holzkompetenzzentrum Rheinland ist eine Kooperation zwischen dem Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und der Gemeinde Nettersheim. Zudem stellt es eine Schwerpunktaufgabe des Landesbetriebes Wald und Holz NRW dar. Das Holzkompetenzzentrum Rheinland bietet vielfältige Informations- und Serviceangebote zum Themenfeld Holz und Wald. Das Leistungsangebot richtet sich insbesondere an gewerbliche und öffentliche Fachzielgruppen, Multiplikatoren und Bildungsträger sowie Endverbraucher. Das Rheinland und die Eifel bilden hierbei einen räumlichen Arbeitsschwerpunkt des Zentrums.
Holzkompetenzzentrum Rheinland
c/o Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde
Römerplatz 12, 53947 Nettersheim
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