Hans Proppe (1875-1951) Sonderausstellung_

Aus den Proppe-typischen Dreieckshockern entstanden aneinandergestellt eckige, dreieckige oder auch sternförmige Tische. Aufeinandergetürmt wurden sie gar zu einer dekorativen Skulptur. Foto: © Stadtmuseum Simeonstift Trier

Am Samstag 09. 09. 2017 ist in Trier die 11. Trierer Museumsnacht mit tollem Programm in fünf Trierer Museen, da ist die Proppe-Ausstellung natürlich auch geöffnet.
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Hans Proppe war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der interessantesten Professoren und Künstler der Stadt Trier. Seit 1904 war er als „Architekt für Kunstgewerbe“ an der Gewerblichen Fortbildungs- und Gewerbeschule – der heutigen Hochschule Trier – tätig.

In den Jahren 2013 und 2014 haben die Nachkommen Hans Proppes einen großen Teil des privaten Nachlasses in die Hände des Stadtmuseums Simeonstift Trier gegeben. Zahlreiche Fotografien, Zeichnungen, Postkarten, Schriftstücke und Briefe ermöglichen nun einen tiefergehenden Blick auf Hans Proppe, der das Kulturleben zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Trier um viele Facetten reicher gemacht hat.

Die Ausstellung im Stifterkabinett zeigt ausgewählte Stücke aus dem Nachlass, mit denen das Leben und Wirken des Trierer Avantgardisten lebendig wird. Vieles, was vor 100 Jahren modern und innovativ war, ist auch heute noch Thema. Hans Proppes Weltanschauung beinhaltete neben Mazdaznan, Vegetarismus und anderem auch das Gemeinschaftserlebnis und -leben mit Freunden und Kollegen in seinem Haus im Grünen, Zentrum einer selbst organisierten Künstlerkolonie.

Vieles, was vor 100 Jahren modern und innovativ war, findet sich in alternativen Lebensentwürfen der Gegenwart wieder, sei es der Trend zum „Urban Gardening“, der Kommunen-Gedanke oder die Arbeit in Künstlerkollektiven.

Mit dem vereinten Nachlass ist nun ein wichtiger Teil der Geschichte Triers des frühen 20. Jahrhunderts wieder am Ort seiner Entstehung. Ein großer Dank geht an die Familie Proppe, die dazu beiträgt, die Erinnerung an einen wahren Trierer Freigeist aufrechterhalten zu können.

Lesetipp
Zeitgleich zur Ausstellung wird eine Publikation zu Hans Proppe mit zahlreichen Abbildungen aus dem Nachlass Proppe erscheinen.

Stadtmuseum erhält den Nachlass von Hans Proppe
Der Lebensreformer Hans Proppe war von 1921 bis 1931 Professor an der Trierer Kunstgewerbeschule. Während er in der Klasse für Kunstgewerbe Zeichnen und Möbelgestaltung lehrte, führte er privat ein bemerkenswertes Künstlerleben. Nun hat das Trierer Stadtmuseum Simeonstift den Nachlass Proppes von seinem in Kalifornien lebenden Enkel erhalten.

Der in Trier als Professor tätige Hans Proppe hatte seinen Lebensmittelpunkt in Euren. Hier kaufte er ein großflächiges Areal am Ende des Dorfes an, um 1909 das damals modernste Wohnhaus Deutschlands zu errichten. Diesem Haus lag eine dem berühmten Architekten Heinrich Tessenow zugeschriebene Entwurfszeichnung zugrunde. Das freistehende Haus war jedoch nicht nur der Wohnort für Hans Proppe, seine Familie und seine drei Söhne, sondern auch die Trierer Künstler Fritz Quant, Mia Lederer und Kat Becker wohnten zeitweise dort. Das Haus und seine Nebengebäude standen darüber hinaus Künstlern von nah und fern immer offen, hier wurden Theaterstücke aufgeführt, Sport getrieben und Gemeinschaftsveranstaltungen abgehalten.

Hans Proppe probierte – ganz dem Zeitgeist verpflichtet – immer wieder Neues aus. Zeitweise lebte er als Lebensreformer, war mal er Selbstversorger mit zahlreichen Obst- und Nussbäumen und hielt auch Tiere auf seinem „Berg in der Sonne“. Phasenweise lebte er als Nudist, versuchte eine Künstlerkolonie aufzubauen und experimentierte regelmäßig mit der modular aufgebauten Inneneinrichtung seines Hauses. Als Möbeldesigner entwarf er in den Zehner und Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts so schlichte Möbel, wie sie später zu Klassikern eines bekannten schwedischen Möbelhauses geworden sind. Aus einfachen Dreieckstischen beispielsweise gestaltete er je nach Anlass kleine Beistellmöglichkeiten, einen großen Tisch oder auch mal eine dekorative Skulptur.

„Hans Proppe war einer der interessantesten Professoren und Künstler an der Trierer Kunstgewerbeschule“, berichtet Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift. „Wir sind sehr froh, den Nachlass erhalten zu haben. Die vielen Fotografien, Zeichnungen, Postkarten und Briefe ermöglichen uns einen tiefergehenden Blick auf Hans Proppe, der zudem unser Bild auf das Kulturleben zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Trier um viele Facetten erweitert.“ In der für den Herbst 2013 geplanten Ausstellung „Gesammelt und gesichtet. Ausgewählte Neuzugänge im Museum“, werden Teile des Nachlasses zusammen mit seinen Möbeln erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Hans Proppe wurde 1871 in Köln geboren und besuchte die dortige Baugewerkschule. Von 1902 bis 1904 studierte Proppe in Berlin an der Unterrichts-Anstalt des Kunstgewerbe-Museums Raumkunst und Innenarchitektur. Im Umfeld des Friedrichshagener Kreises lernte er nicht nur gemeinschftliche Wohn- und Lebensformen, sondern auch seine spätere Frau Elise kennen. Mit Festanstellung an der Trierer Kunstgewerbeschule machte er sich auf die Suche nach einem Ort, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen, ersteigerte das Grundstück in Euren und baute dort ab 1909 seine „Lebensschule“. Hier lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1951.

Tasso, der Mittlere seiner drei Söhne, wanderte mit seiner Familie in die USA aus, wo ein großer Teil des Nachlasses aufbewahrt wurde. Der Enkel mit dem gleichen Namen wie sein Großvater, Hans Proppe, lebt als heute siebzigjähriger Fotograf in Kalifornien und las im Trierer Online-Magazin www.16vor.de über den Besuch der Tessenow-Gesellschaft in Trier, die im Mai 2013 das Haus in Euren besichtigte. Über die Zeitung konnte der Kontakt zum Stadtmuseum hergestellt werden, und sowohl Hans Proppe als auch Dr. Elisabeth Dühr sind sehr froh, dass der Nachlass einen geeigneten Ort für die Zukunft gefunden hat.

Die nächste Führung mit der Kuratorin der Ausstelllung, Frau Bettina Leuchtenberg ist am Sonntag, dem 24. September um 11:30 Uhr. Gruppen können sich aber immer auch außerhalb dr öffentlichen Führungen anmelden.

In der Anlage finden Sie infos zur Museumsnacht und hier die Rahmenbedingungen für Gruppenführungen:

https://www.museum-trier.de/fuehrungen/gebuehren-fuer-fuehrungen/

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