de Schwaarze Wee – Marc Theis_

Marc Theis – « De Schwaarze Wee »

Dudelange, 04.12.2010 bis 08.01.2011
(Fermé: 24 – 26/12.2010, 31/12/2010 et 01/01/2011)
Centre d’ar t Nei Liicht, rue Dominique Lan, Dudelange.
Exposition ouverte du mardi au dimanche de 15 à 19 heures

Catalogue €20,-

www.centredart-dudelange.lu
www.marc-theis.de

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Zu den  Fotoarbeiten von Marc Theis
aus den Jahren 1984-85

Ein Gespräch zwischen Danielle Igniti, Kulturbeauftragte der Stadt Düdelingen und Leiterin des Hauses für zeitgenössische Kunst und Photographie „Nei Liicht“ und Marcel Lorenzini, Schulfreund vin Marc Theis und Vorsitzender vom Verein «  Dokumentationszentrum über Migrationen » mit Sitz im Stadtteil « Klein Italien » .

Als ich im letzten Jahr Marc Theis kontaktierte um ihn zu fragen,  ob er Lust auf eine « Rückkehr zu den Wurzeln »  in Form einer Ausstellung seiner Fotoarbeiten in Düdelingen, seiner Heimatstadt,  hätte, habe ich in keiner Sekunde an den « schwarzen Weg » gedacht. Marc Theis kam mit seinem Portfolio nach Düdelingen und wir sprachen über seine Arbeit, seine eindrucksvollen schwarz-weiss Bilder von der letzten Scorpions-Tournee und interessante Arbeiten  über Graffitis in einer Industriebrache in Hannover. So nebenbei sagte Marc : „ Hier habe ich noch Fotos aus Düdelingen aus meinen jungen Jahren“, und legte mir die Serie « schwaarze Wee » auf den Tisch.

Ich bin keine Nostalgikerin und trotzdem überkamen mich Gedanken die über Bilder hinausgingen und die mit Geräusch, Gerüchen und Gefühl zu tun haben.

Wie stehst du, Marcel zu diesen Bildern von früher?

Diese Gefühle haben etwas mit unserer Kindheit, mit unserer Jugend zu tun. Die Fotos von Marc zeigen die Kulissen unserer damaligen Welt. Nun gibt es sie nicht mehr, wir wissen nicht mehr genau wo sie standen, … aber, dadurch dass wir sie nun vor uns sehen, erinnern wir uns ihrer –„ hören, riechen und fühlen“ wir sie, genauso wie du es gesagt hast.

Was bedeutete für dich der « schwarze Wee »? Wie hast du ihn erlebt?

Dieser „Schwaarze Wee“ war schon etwas Spezielles. Ihn Menschen, die ihn nicht erlebt haben, nahe zu bringen, ist eine Sache der Unmöglichkeit. Ich selbst, den ich ihn tausende Male gegangen bin, weis nicht mehr genau wo er sich befand.

Historische Aufnahmen allein können ihn in seiner Einmaligkeit auch nicht wiedergeben.

Denn:  der Düdelinger Bach auf der einen Seite, die riesige Schlackenhalde auf der anderen.

Dieser Weg (warum hieß er eigentlich „Schwaarze Wee“? waren die schwarzgeteerten Holzpalisaden daran schuld?) war für die Leute aus dem Viertel Italien das Bindeglied zum „Duerf“. Man darf nicht vergessen, dass die angrenzende gewaltige Schlackenhalde zu jener Zeit vom Quartier aus keinen Aus- (und Einblick) ins Stadtzentrum erlaubte.

Und was für ein Bindeglied! Ein Streifen “ no man’s land“, eine Art Zonengrenze, zwischen zwei Welten, die das Hüttenareal durchquerte, topographisch gesehen absolut einmalig, eine one-way-Gasse, die vom Stadtzentrum entweder zur „Schmelz“ oder ins „Quartier“ führte.

Er wurde, nach dem zweiten Schuljahr, unser täglicher Schulweg. In einem Beitrag zum Thema „Strassenkindheit um 1900“ habe ich vor kurzem folgenden Satz gelesen: „Die Lage der Wohnung bestimmte, mit wem man den Schulweg teilte. Der war auch eine Art Lehrpfad ins Leben, den Kinder im Pulk bewältigten“. Und genauso war es.

Und dann, so anfangs des Winters, diese dichten Nebelschwaden! die einem, zumal abends nach einem Kinobesuch oder einem Fernsehabend bei einem Familienangehörigen, schon Angst einjagen  konnten, aus denen dann völlig unerwartet ein Arbeiter, zu Fuß oder auf seinem Fahrrad auftauchte, oder Ratten schnell in den angrenzenden Bauchlauf entwischten.

Wenn ich mir diese Bilder ansehe, denke ich an Übergang, geographisch von Düdelingen nach Kleinitalien und Schmelz, von Stadtviertel zu Stadtviertel, auch sozial von Establishment zu Migrationsbevölkerung, von Kleinbürgern zu Arbeitern und eigentlich auch von gestern auf heute. Der « schwaarze Wee » ist auch der Weg in unsere Zukunft!

Siehst du das auch so?

Sicher liegt die Zukunft Düdelingens urban gesehen an Ende dieses Weges. Nur dass mir die Farbe Schwarz ein bisschen Angst macht. Man weiß nicht was sich dahinter auftun wird.

Marc Theis hatte das Gespür für das Eigentümliche, das Eigenartige dieser Landschaft und seiner historischen Bedeutung. Sein Bedürfnis diese Bilder, vor dem endgültigen Verschwinden der „Schmelz“, auf Mittelformat-Film zu belichten, sie aufzubewahren und unser Wunsch sie zu zeigen – Kannst du das nachvollziehen? Ist es für dich interessant und wichtig?

Für unsere Generation, die Generation unserer Eltern stellen diese Bilder etwas Greifbares dar, sind sie Bezugspunkte.

Interessanter wird’s zu sehen,  was diese Bilder für die heutige Jugend und für die kommenden Generationen, die dieses Umfeld nicht gekannt haben, bedeuten und wie sie damit umgehen werden.

Wir selbst wissen bereits heute nicht mehr wo genau die Schlackenhalde lag, welche gewaltigen Ausmaße  sie hatte, wie sie das Stadtbild und seine Wahrnehmung prägte, …

Marc Theis ist dann auch Auswanderer geworden, denn er hat sehr früh den Mut gehabt seine Heimat zu verlassen und eine Karriere als Fotograf im Ausland zu versuchen. Eigentlich eine sehr schöne Erfolgsgeschichte von Emigration in einer Immigrationsstadt oder ?

Es gibt viele Ursachen, die uns Menschen veranlassen, die Welt unserer Kindheit zu verlassen und unser Glück anderswo zu suchen. Die meisten Migranten aber verlassen ihre Heimat nicht freiwillig, in den meisten Fällen sind wirtschaftliche Missstände der Grund für einen solchen Entschluss.

Bei Marc war das anders. Es waren eher gesellschaftliche Enge und intellektuelle Neugier, die ihn hinaus in die Welt trieben.

Wir gehören einer Generation an, für die die Welt offen stand. Uns plagte keine Angst vor Arbeitslosigkeit oder Prekarität. Wir alle hatten Träume. Bei den meisten von uns hat der Alltag Überhand genommen, aber viele von uns verfolgen weiterhin ihre Träume im stillen Kämmerlein ihrer Freizeit.

Marc hat seinen Traum wahr gemacht.

 

 

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