Der soziale Wohnbau in Europa Österreich als Vorbild_

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Viele EU Staaten weisen in den letzten 100 Jahren eine ähnliche Entwicklung und Tradition auf, den kleineren Einkommensbeziehern leistbare Wohnungen anzubieten. Das führte zum Aufbau von großen kommunalen, gemeinnützigen bzw. genossenschaftlichen Mietwohnbeständen.
Es entstand eine soziale Bauträgerkultur, ermöglicht durch Steuererleichterungen und staatliche Wohnbauförderungsgelder.
Von Land zu Land unterschiedlich steht diese Entwicklung in der Defensive – in Deutschland werden alte Wohnbestände am Markt an den Höchstbieter verkauft, in vielen EU-Staaten sind jährliche Budgetmittel für die Wohnbauförderung nicht mehr selbstverständlich oder seit Jahren ganz versiegt.
Das bis vor 50 Jahren arme Österreich zeichnet sich heute als Vorbild in der EU aus: es gibt gesicherte Wohnbauförderungsmittel, die Körperschaftsteuerbefreiung der gemeinnützigen Bauträger ist mit dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz ein funktionierendes soziales Ausgleichsinstrument über Generationen. Das Ergebnis ist, dass die Österreicher seit vielen Jahren eine gedämpfte Wohnkostenbelastung haben.
Österreich ist damit in der EU für den sozialen Wohnbau und für den sozialen Ausgleich ein Vorbild!
Prof. Dr. Klaus Lugger
Obmann der ARGE Eigenheim

Im vorliegenden Band sind Beiträge von führenden europäischen Wissenschaftern im Bereich des Wohnungswesens mit dem Ziel zusammengefasst, das österreichische System des gemeinnützigen Wohnbaus in einen Kontext mit dem sozialen Wohnbau in Europa zu stellen. Österreich weist insgesamt gute wirtschaftliche und soziale Kennzahlen auf. Das Wirtschaftswachstum hat im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2003 mit real 2,2% pro Jahr den Durchschnitt der EU 15 erreicht. Österreich liegt damit zwar weit hinter den wirtschaftlich dynamischeren nordeuropäischen Ländern zurück. Es ist aber immerhin gelungen, sich von der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung in den benachbarten großen Volkswirtschaften Deutschland und Italien zu entkoppeln. Der Wohlstand der österreichischen Haushalte hat sich verfestigt. Die Einkommen liegen im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld, unter Heranziehung der Berechnung nach Kaufkraft sogar im Spitzenfeld. Die Unterschiede zwischen den Einkommen sowie zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sind geringer als im EU 15-Durchschnitt. Die Preise in Österreich nach Kaufkraftparitäten sind zwischen 1995 und 2003 um 6,5% gesunken. Ähnliches trifft auf die Wohnkosten zu. Die Chancen der EU-Erweiterung sind somit in erheblichem Ausmaß genutzt worden. Auch und gerade die stagnierenden Wohnungskosten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Wohlstands. Wenngleich sich auch in Österreich die Schere zwischen den obersten und den untersten Einkommen öffnet, scheint zumindest im Wohnungswesen ein gewisser Ausgleich gegeben zu sein.

Publikation als pdf

http://www.immobilienforschung.at/deutsch/portfolio/wohnen/downloads/Lugger_Amann_Sozialer%20Wohnbau%20060505.pdf

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