Bauen als Kunst_

Bauen als Kunst. Ein Parcours durch das architektonische Werk Richard Meiers.

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt vom 30. September 2012 bis zum 3. März 2013 die Ausstellung: »Richard Meier. Building as Art«.

»Die Idee war, unter den Gleisen hindurch zu gehen, dann durch einen Tunnel, und schließlich auf den Berg hinauf. Diese Prozession wurde Teil des ganzen Experiments Museum – man geht in die Bahnstation, hinunter in den Tunnel, hinauf mit dem Aufzug, über die Brücke und hinein in das Museum. Es ist also kein Museum für 15 min oder eine Stunde.« So beschreibt der international renommierte amerikanische Architekt Richard Meier seinen Neubau für das Arp Museum in Remagen-Rolandseck.

Am 28. September 2012 feiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck sein fünfjähriges Bestehen, das vor allem mit der Eröffnung dieses spektakulären Neubaus verbunden ist. Als Höhepunkt des zu diesem Anlass ausgerufenen Themenjahres »Architektur« präsentiert das Museum eine Ausstellung, die den künstlerischen Entwurfsprinzipien des Pritzker-Preisträgers Richard Meier gewidmet ist. Die Schau steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und des amerikanischen Botschafters Philip D. Murphy.

»Richard Meier ist nicht nur einer der weltweit bedeutendsten Architekten der Gegenwart, sondern auch ein Bau-Künstler. Alle seine Gebäude, und insbesondere seine Museumsbauten, verbindet die Idee einer Architektur, die komponiert wird wie ein Musikstück oder ein abstraktes Kunstwerk. Diese besondere künstlerische Qualität macht unseren Meier-Neubau in Rolandseck, eingebunden in die einzigartige Landschaft des romantischen Rheintals, nicht nur zum meistbesuchten Kunstmuseum in Rheinland-Pfalz, sondern auch zu einem internationalen Anziehungspunkt für renommierte Künstler wie etwa Anselm Kiefer, Jonathan Meese oder Daniel Spoerri, die alle schon im Arp Museum ausgestellt haben. Und sie schafft eine einzigartige Bühne für die Kultur – für die Bildende Kunst genauso wie für Musik und Literatur«, so die rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Doris Ahnen, anlässlich der neuen Ausstellung.

Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff: »Wir verstehen den Baumeister Richard Meier quasi als unseren dritten Hauspatron. Unser Museumsneubau ist in dieser Ausstellung selbst das wichtigste Ausstellungsstück, das man durchstreifen und dabei die Kompositions-prinzipien Richard Meiers buchstäblich am eigenen Leib erfahren kann.«

In Form eines Parcours entlang der fünf Themenbereiche Ort, Licht, Farbe, Weg und Proportion präsentiert die Ausstellung in vielfältigen Medien diese Entwurfsprinzipien Richard Meiers. Hauptattraktion sind die aufwendigen, in großem Maßstab ausgeführten Holzmodelle, die im Arbeitsprozess des Architekturbüros Richard Meiers eine wichtige Rolle spielen und die sonst nur in Meiers New Yorker Privat¬museum für ausgewählte Personen zugänglich sind. In farbigen Großfotos sind seine realisierten Villen und Museumsbauten präsent. Sie offenbaren die zentrale Bedeutung der Bildhaftigkeit von Meiers Gebäuden.

Das nach außen weithin sichtbare Kennzeichen aller seiner Bauten ist die weiße Farbe. Sie verändert sich je nach den herrschenden Lichtverhältnissen und reflektiert die umgebende Natur. Ein 2007 entstandenes Kunstwerk von Ine Vermee macht die 35 Weißtöne erfahrbar, die Richard Meier für den Farbenhersteller Sikkens entworfen hat. Ein zweites Kunstwerk mit abstrakten Blattgoldbahnen von Ariane Epars hat seinen Platz auf den großen Panorama-Glasscheiben gefunden, mit denen Meier die Ausstellungsetage des Museums vollflächig zum Rheintal hin öffnet. Die sich im Rhythmus der Jahres- und Tageszeiten verändernde Natur wird dadurch bei Epars und Meier zum integralen Bestandteil der Kunst.

Fachmagazine für Architektur sowie historische Publikationen thematisieren den historischen und theoretischen Kontext. So wird offenbar, aus welchen Quellen Meier in den 1960er Jahren seine an den 1920er Jahren (in erster Linie an Le Corbusier) orientierte Architektur konzipierte.

Der Film »Ein Lichtspiel Schwarz Weiß Grau« (1930) des ehemaligen Bauhausmeisters László Moholy-Nagy zeigt die Verbindung von Meiers architektonischer Kunst zur Ästhetik der Moderne und ein filmisches Porträt des Architekten durch Gero von Boehm (2006) rundet die Ausstellung ab. In einem Exkurs werden Schwarzweißfotografien von Claudia Görres aus der Bauzeit des Arp Museums präsentiert, auf denen die Fotografin die skulpturalen Qualitäten des Gebäudes erfasst.

Der 1934 in Newark, New Jersey, geborene Architekt Richard Meier begann seine Karriere mit privaten Villenbauten für eine wohlhabende amerikanische Klientel. Seine Faszination für die Bauten der Klassischen Moderne zeigte sich bereits in frühen Projekten, wie dem Saltzman House, New York, und dem Douglas House, Michigan. Diese Orientierung an der Architektur der klassischen Moderne verband ihn mit Peter Eisenman, Michael Graves, John Heyduk und Richard Gwathmey. Gemeinsam zählten sie zu den sogenannten »New York Five«.

Große internationale Bekanntheit erlangte Meier jedoch in der Folgezeit als Museums-architekt. Dem Atheneum in New Harmony (1975–1979), Indiana, folgten weitere Museums- und Bildungsbauten in den USA, von denen das Getty Center in Kalifornien (1984–1998) nicht nur das berühmteste ist, sondern wohl auch der größte Privatauftrag, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an einen Architekten vergeben wurde.

In Europa errichtete Meier seit Ende der 1970er Jahre sieben Museums- und Ausstellungsbauten, von denen allein fünf in Deutschland realisiert wurden: Neben dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit der längsten Planungs- und Baugeschichte von 1978 bis 2007 unter anderem das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt a. M. (1979–1985), das Ulmer Stadthaus (1986–1993) und das Museum Frieder Burda in Baden-Baden (2001–2004). Die Museumsbauten bilden den Schwerpunkt der Ausstellung und zeigen exemplarisch den unverkennbaren Stil und Charakter von Meiers Architekturkompositionen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Arp Museums Bahnhof Rolandseck mit Richard Meier & Partners Architects. Sie wird kuratiert von den Architektur¬experten Dr. Sylvia Claus (ETH Zürich) und Prof. Dr. Matthias Schirren (TU Kaiserslautern) und wurde unterstützt vom Lehrgebiet Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Kaiserslautern. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch: »Building as Art. Richard Meier«. Es enthält zahlreiche Farbabbildungen, darunter großformatige Fotos von Roland Halbe.

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch eine großzügige Unterstützung der Kreissparkasse Ahrweiler.

Weitere Förderer waren das U.S. Generalkonsulat, Frankfurt am Main, das Hotel Villa Godesberg, Bonn, und die Firma Holzbau Adams, Remagen.

Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst neben öffentlichen Führungen an jedem 3. Sonntag im Monat um 15 Uhr eine als Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern angelegte Dialogführung am 27. Oktober, um 11.30 Uhr und eine Kuratorenführung mit Prof. Dr. Matthias Schirren am 18. November, um 12 Uhr. Ein Künstlerkurs zur Architekturfotografie mit dem renommierten Fotografen Detlef Böhmer findet am 13. und 14. Oktober von 11 bis 17 Uhr statt. Darüber hinaus bietet die Museumspädagogik für Gruppen und Schulklassen buchbare Workshops zu den Themen »Architektur-Puzzle«, »Modellbau-werkstatt« und »Architekturzeichnung« an. Anmeldungen unter Tel. 02228/9425-63 oder per Mail an fuehrungen@arpmuseum.org.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11–18 Uhr
Eintrittspreise: 8 €, erm. 6,50 € (nur Bahnhof Rolandseck: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro)
www.arpmuseum.org
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