Ausstellung Kultur:Stadt_

Kulturbauten für die Entwicklung von Städten

Mit Architekturmodellen und iPads lockt die Akademie der Künste derzeit nach Berlin. Matthias Sauerbruch und Wilfried Wang – beide gehören zu den derzeit 68 Mitgliedern der Sektion Baukunst der Akademie der Künste – konzipierten deren just eröffnete Ausstellung im Obergeschoss des Werner-Düttmann-Gebäudes der Akademie im Berliner Hansaviertel. Matthias Sauerbruch als Kurator der Ausstellung und Wilfried Wang als Verantwortlicher des Kataloges postulierten den Ausstellungsanspruch, die Rolle von Kulturbauten für die Entwicklung von Städten zwischen 1950 und heute aufzuarbeiten. Glaubten manche frustrierten Architekten seit den 1980er Jahren, man könne nur noch in Museumsbauten « entwerfen », so orientiert sich nun diese Ausstellung tatsächlich an prominenten Kulturbauten wie der Oper in Sidney (1957-73) oder dem Kulturforum in Berlin (1960-98) bis hin zu der Hamburger Elbphilharmonie (im Bau) oder der nagelneuen Bibliothek in Birmingham (2010-13).

Auch temporäre Interventionen wie die Berliner « Parkhaus-Projekte » oder die Detroiter Suppenverteilung von Amy Kaherl (seit 2011) sind dabei, eine Übersicht zeigt das Thickbox-Bild links unten. Eine Vorliebe für bestimmte Formensprachen oder Konstruktionstypologien wird in Sauerbruchs Auswahl – in die auch das eigene Museumsprojekt für Venedig-Mestre aufgenommen ist – kaum erkennbar. Das ist auch gut so, weil die Vielfalt dessen, was in den letzten sechs Jahrzehnten weltweit entstanden ist, erheblich ist und die Projekte bereits kaum noch vergleichbar sind. Nun kommt es für eine Ausstellung natürlich darauf an, wie Analyse und Darstellung des Gezeigten präsentiert werden. Erkennbar werden sollte also die Art, wie die subjektiv ausgewählten Kulturbauten die Städte beziehungsweise Stadtquartiere tatsächlich verändert haben. Und das ist ein nicht unerhebliches Problem der Ausstellung, die aus durchnummerierten Modellen, Dateien auf einem iPad (das man mit einem Kopfhörer zusammen gegen Vorlage eines Personalausweises in die Hand bekommt) und dem Katalog besteht. Bildschirme und digital aufbereitete Informationen sind nichts Neues im Museum und leisten nachweislich vieles, was über übliche Informationstafeln hinausgeht. In der Berliner Ausstellung wird man aber ohne das iPad in der Hand und Kopfhörer auf dem Kopf absolut informationslos allein gelassen.

Nirgends sind Kataloge ausgelegt, die man zwischendrin zur Hand nehmen könnte, um die Modelle, die bis auf höchstens vier Fälle keine stadträumlichen Zusammenhänge zeigen, nicht nur als Artefakte zu bestaunen. Was das iPad zu bieten hat, erschließt sich jedoch recht einfach. Texte, Biografien, mehr oder weniger viele Fotos und jeweils ein paar erläuternde Worte des Kurators werden in rund 15 Fällen mit kurzen Filmen ergänzt, die von Studenten der Filmsektion gedreht wurden. Diese Filme sind recht unterschiedliche, durchgehend charmante Übungen, um das Hauptthema der Ausstellung aktuell und unakademisch zu verdeutlichen: die Rezeption der Kulturbauten in Quartieren und Städten. Man wünschte sich aber zu allen Projekten solche Filme. Und man würde, weil das Anschauen der Dateien auf dem iPad laut Kuratoren etwa sieben Stunden beansprucht, vor allem die Filme später, zuhause, im Internet in Ruhe und auf größerem Bildschirm nachschauen. Inhaltlich kreist die Ausstellungsthematik um eine Art « Post-Bilbao-Effektivität ». Kein Hehl wird daraus gemacht, dass manche der Kultursolitäre bis heute nicht recht angenommen werden, andere durchaus im Sinne einer quartier- oder stadtbelebenden Wirkung als Erfolg gewertet werden dürfen. In fünf thematischen Blöcken, die in der Ausstellung im Vor- und Hauptsaal als solche kaum in Erscheinung treten, werden diese Wirkungen überzeugend charakterisiert, aber nicht bewertet (siehe Übersicht links unten).

Im Katalog rückt neben den Projekterläuterungen der Kulturbegriff in den Vordergrund – und wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln hinterfragt. Die Gentrifizierungsrolle der Kultur kommt dezent zur Sprache, die Rolle der sogenannten Kultur- und Kreativwirtschaft ausführlicher. So deutet sich eine These an, die mit den Modellen allein nicht erkennbar wird: Als wesentlicher Faktor für sinnvolle Kulturprojekte dürfte sich herauskristallisieren, dass elitäre und im Zweifelsfall teure Prestigeprojekte zumindest in Demokratien nicht mehr als Allheilmittel zuvor vernachlässigter Kulturentwicklung dienen können.

Bis 26. Mai 2013, Di-So 11-19 Uhr, Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin; Katalog im Lars Müller Verlag für 29,99 Euro. Zahlreiche Veranstaltungen ergänzen die Ausstellung.

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