Architekturführer Duschanbe_

Edda Schlager
Architekturführer Duschanbe
Mit Beiträgen von Dmitri Chmelnizki, Sergej Chmelnizki,
Xeniya Mironova und Wladimir Sgibnev

Duschanbe, die Hauptstadt von Tadschikistan, liegt am Rande zweier Welten – im Süden Afghanistan, ewiger Krisenherd und mit dem Nachbarn kulturell aufs Engste verbunden, im Norden das frühere, lange Zeit Ton angebende Sowjetreich. Erst die Sowjetunion stampfte aus dem winzigen Marktflecken eine Stadt hervor und machte sie zum wichtigsten Außenposten an der im Great Game gezogenen Demarkationslinie zum Orient.

Edda Schlager vermittelt im Architekturführer Duschanbe mit einer rund 80 Gebäude umfassenden Baudokumentation einen lebendigen Einblick in die Architekturhistorie der knapp 100 Jahre alten Stadt. In zahlreichen kritischen Essays, Artikeln und Interviews erhalten Leser ein facettenreiches Bild der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Hintergründe des Architekturgeschehens in einer hierzulande unbekannten Stadt. Das Spektrum reicht von den Erlebnissen eines deutschen Architektenehepaars im Duschanbe der 1930er Jahre über die Geschichte sowjetischer Fassadenmosaiken, die Immobilienkrise bis hin zur Analyse, wie neue architektonische Landmarken die Macht des despotischen Langzeitpräsidenten demonstrieren sollen.

Obwohl Duschanbe eine der jüngsten Hauptstädte unter den ehemaligen Sowjetrepubliken ist, sind hier zahlreiche außergewöhnliche Beispiele der sowjetischen Architektur zu finden. Die Bandbreite reicht vom Konstruktivismus über den sozialistischen Realismus der Stalinzeit bis hin zur sowjetischen Moderne. Dass Duschanbe fernab von Moskau liegt, war architektonisch ein Glücksfall. Denn nirgends in Zentralasien ist so deutlich zu sehen, wie sozialistische Pläne urbanen Raum schufen – und scheiterten. Hier geriet selbst der Stalin-Stil weniger gewaltig, die Sowjetmoderne avantgardistischer als anderswo. Seit 25 Jahren entsteht nun eine neue, von Gigantismus beherrschte Architektur, die sich der älteren Baugeschichte – und Identität – konsequent zu entledigen sucht. Dutzende historischer Bauten sind bereits verschwunden oder akut vom Abriss bedroht.

Der vorliegende Band ist somit nicht nur das kenntnisreiche Porträt einer Stadt zwischen persischer Geschichte, Sowjetarchitektur und tadschikischer Moderne, sondern eine – womöglich letzte – Bestandsaufnahme ihres architektonischen Erbes. Die Fotografien liefern zudem ein visuelles Portrait der Stadt und ihrer Menschen.
https://dom-publishers.com
www.gisela-graf.com

ISBN 978-3-86922-432-9 (deutsch)

 

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