Die Erkenntnis ist nicht neu: Zusammenhängende Radwegnetze wie der Ruhrtalradweg von Winterberg nach Duisburg oder die geplante „Radler-B1″, die eines Tages quer durchs Ruhrgebiet verlaufen soll, stärken die touristische Attraktivität ganzer Regionen. Genutzt werden oftmals alte Bahntrassen, die durch ihre Wegführung barrierefrei und damit besonders verkehrssicher sind. So auch der neue Panorama-Radweg auf der 1990 stillgelegten Trasse der Niederbergbahn, der über 40 Kilometer von Essen-Kettwig nach Haan im Kreis Mettmann führt und an das überregionale Radwegnetz anschließt. Der Belag besteht aus einer Asphaltdecke, so dass auch Inlinern, Joggern und Spaziergängern möglich sein wird, den Weg zu nutzen.
Radler können sich nicht nur an der bergischen Landschaft erfreuen, sondern auch an Relikten der Bahngeschichte, die entlang des Weges zum Verweilen einladen. In der Velberter Unterstadt ist es zum Beispiel ein historisches Viadukt mit vorgelagerten Gewölbesegmenten und einer genieteten Stahlbrücke aus dem Jahre 1911, das statt Eisenbahnwaggons nun Radlern die bequeme Überfahrt ermöglicht. Der Zahn der Zeit hatte der denkmalgeschützten Brücke im Laufe der Jahrzehnte schwer zugesetzt, so dass eine Restaurierung unausweichlich war. Im April war es dann soweit. Der 40 Tonnen schwere und 18 Meter lange Koloss wurde in einem Stück aus seinen Widerlagern gehoben und per Tieflader über 40 Kilometer zu der auf den Oberflächenschutz von Stahlkonstruktionen spezialisierten Hans Tiefenbach GmbH nach Duisburg transportiert.
In der Werkstatt erfolgte dann die vollständige Entrostung der genieteten Profilkonstruktion aus Flachstahlträgern und innen liegender Diagonalaussteifung aus Winkelprofilen mit Sand- und Hochdruckstrahlen – nie zuvor war die Beschichtung dieser Brücke je erneuert worden. Anschließend wurde der Korrosionsschutz mit 3-facher Grund- und Zwischenbeschichtung auf Epoxydharzbasis und einer farbigen Deckbeschichtung aus Polyurethan aufgebracht. Dieses Verfahren garantiert hochwertigen Korrosionsschutz für die nächsten Jahrzehnte.
Am 30. Mai wurde die Friedrichstraße nochmals für einen Tag gesperrt. Zwei Autokrane hoben die wie neu aussehende Brücke in luftige Höhe und schwenkten sie behutsam in ihre alte Lage direkt zwischen die nahe Wohnbebauung. Nach dem Aufbringen der Asphaltdecke auf Brücke und Zufahrt wird sie ab dem 16. Juli für den Rad- und Fußgängerverkehr freigegeben.
„Der Bau einer neuen Brücke stand nicht zur Diskussion. Die Sanierung vor Ort wurde geprüft », so Markus Thelen, Bauleiter der Technischen Betriebe Velbert, „die Planung aber schnell verworfen. Witterungsunabhängige Arbeitsabläufe im Werk, die kurze Zeitspanne von der Demontage bis zur Rückführung und die nur kurzzeitige Straßensperrung waren die bestimmenden Faktoren bei der Entscheidung für die Werkssanierung, zugleich Garanten für hohe Ausführungsqualität und Wirtschaftlichkeit. » Nach 100 Jahren steht die Eisenbahnbrücke in ihrer neuen Funktion als Radwegbrücke nun künftigen Generationen zur Verfügung, bis sie irgendwann vollständig recycelt werden wird. Damit ist sie beispielgebend für den behutsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen und die nachhaltige Entwicklung beim Bauen mit Stahl.
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