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Decommunized: Ukrainian Soviet Mosaics, Yevgen Nikiforov (Fotograf), Olga Balashova, Lizaveta German

In fast jeder ukrainischen Stadt gibt – oder besser: gab – es monumentale Mosaiken, die von sowjetischen Künstlern vor allem in den letzten 30 Jahren der UdSSR geschaffen wurden. Sie waren dazu gedacht, den öffentlichen Raum zu schmücken und die kommunistischen Ideale zu vermitteln, doch wurden sie von Anfang an als aufgezwungene Propaganda und nicht als eigenständige Kunstwerke wahrgenommen. Viele davon wurden erst vor Kurzem in Folge des russisch-ukrainischen Konflikts unwiederbringlich zerstört.

Decommunized: Ukrainian Soviet Mosaics präsentiert die erste umfangreiche Studie über diese ukrainisch-sowjetische Mosaiken – herausragende Artefakte des kulturellen Erbes dieser Ära. Der Fotograf Yevgen Nikiforov verbrachte drei Jahre auf Reisen durch die Ukraine auf der Suche nach den spannendsten Kunstwerken der Fünfzigerjahre bis Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Er legte eine Strecke von 35.000 Kilometern auf ukrainischen Straßen zurück und besuchte 109 Städte und Dörfer, um über 1.000 erhaltene Mosaiken zu entdecken. Dieses Buch umfasst etwa 200 einzigartige Fotografien von Kunstwerken dieser Art: Damals offiziell beauftragte gigantische Bilder von Arbeitern, Bauern, Astronauten und Athleten auf farbigen Smalto oder Keramiken, die das sowjetische Leben so illustrieren, wie es repräsentiert werden sollte. Einige dieser Werke wurden zerstört, kurz nachdem die Fotos aufgenommen wurden: Sie verstießen gegen das sogenannte Dekommunisierungs-Gesetz, das kommunistische Symbole und Parolen verbietet. Dieses Gesetz wurde im April 2015 offiziell verabschiedet und wandte sich indirekt gegen Russland. Es beinhaltete unter anderem, dass kommunistische Denkmale entfernt und Straßen und Plätze mit kommunistischen Namen entfernt werden sollten. Dieser Bildband ist somit schon während seines Entstehens eine Dokumentation zerstörter Kunstdenkmäler geworden. Kurze Einführungen erläutern den Kontext der thematisch gegliederten Kapitel.

Obwohl der Inhalt sowjetischer Kunst akribisch von der Staatspropaganda kontrolliert wurde, schafften es ukrainische Künstler, eine visuelle Sprache zu entwickeln, die den Kanon des Sozialistischen Realismus überwindet. Heute dienen diese Werke als historisches Zeugnis, und zeigen eine neue bedeutende Seite in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Dieser Titel erscheint in Kooperation mit dem ukrainischen Verlag OSNOVY Publishing und ist Teil des Programms von DOM publishers, das einen kritischen Blick nach Osten und damit auch auf die Ukraine richtet. Dazu gehören unter anderem die Architekturführer Kiew (2015) und Slavutych (2016).
http://www.gisela-graf.com

ISBN 978-3-86922-583-8 (Englisch)
DOM publishers, Berlin

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