Besucherzentrum für die Gärten der Welt Berlin_

Ausstellung 09.09. – 27.09.2013 im Forum da Vinci, Infos www.aliai.lu

Am Dienstag, den 14. Mai 2013, wurde das von der Grün Berlin GmbH in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung europaweite Wettbewerbsverfahren „Besucherzentrum für die Gärten der Welt“ entschieden. Das Preisgericht hat unter dem Vorsitz des Architekten Professor Rainer Hascher, Berlin das Büro der Architekten WW+, Esch-sur-Alzette, Luxembourg einstimmig mit dem 17.500,00 € dotierten ersten Preis ausgezeichnet. Der Baubeginn ist für 2014 vorgesehen.

‚Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. ‘
Zitat Charles Darwin

Die Besonderheit hinsichtlich der Geologie und Geographie der Gärten der Welt prägt die gesamte bauplastische und typologische Struktur des geplanten Besucherzentrums. Das Konzept für die Architektur, die Szenographie der einzelnen Funktionseinheiten und die Gestaltung der Außenanlagen wird konsequent aus dem vorhandenen Naturraum abgeleitet.

STÄDTEBAULICHES KONZEPT I ENTWURFSKONZEPT
Genius Loci – Besucherzentrum im Fluss der Natur
Die Individualität des Standorts am Eingang zu einem Landschaftsgebiet und am Rande eines gartenstädtischen Wohngebietes geben nur bedingt Vorgaben zu städtebaulichen Bezügen. Hieraus resultiert das Grundkonzept des Besucherzentrums im Fluss der Natur.
Das architektonische Konzept sieht eine kompakte Gebäudeform zur Reduzierung der bebauten Flächen zugunsten einer grünen Umgebung vor und legt ein besonderes Augenmerk auf eine harmonische Einbettung in den umliegenden Naturraum. Das Gebäude bildet durch seine eigenständige Form einen klaren, identitätsstiftenden Abschluss zum Blumberger Damm, öffnet sich aber durch die besondere, aufgeweitete und mit den Geländeverlauf ansteigende Ausformulierung des Volumens zum Erholungspark der Gärten der Welt. Der begrünte Innenhof und der weite, offene Vorplatz bilden eine fließende Verbindung zwischen dem Besucherzentrum und dem vorhandenen Natur- und Grünraum.
Entstanden ist ein Entwurf, der seinen Besuchern durch eine klar orientierte Strukturierung eine geborgene Eingangssituation vom Stadtraum zum Landschaftsraum bietet. Gleichzeitig erreicht man Offenheit und Transparenz durch den gezielten Einsatz von Material, Licht und Öffnungen.

Erschließung
Der Haupteingang wird durch einen großzügigen Vorplatz an der Westseite des Gebäudes markiert. Von dort erreicht man über das Gebäudetor mit Ticketverkauf den offenen Innenhof, der durch seinen repräsentativen und einladenden Charakter zum zentralen Treffpunkt des Besucherzentrums wird und gleichzeitig eine wichtige Schnittstelle des Gebäudes, über die alle weiteren Bereiche erreicht werden, darstellt. Der zusammengefasste Funktionsbereich von Information, Shop sowie Ausstellung und die Gastronomie mit Außenbetrieb schließen direkt an den Innenhof an. Auch der Veranstaltungsraum wird von hier erschlossen. Seine Sonderstellung als Raum für feierliche Anlässe, Vorträge, besondere Ereignisse tritt architektonisch durch die Lage an zentraler Position zwischen dem abknickenden Gebäudeteil und dem Eingangstor hervor. Der Anschluss an das vorhandene Fußwegenetz innerhalb der Gärten der Welt ermöglicht entweder einen direkten Zutritt des Naturgeländes vom Innenhof entlang der Gebäudekubatur oder indirekt über den Informations- und Ausstellungsbereich.
Da Orte der Begegnung für die Besucher ein wichtiges Orientierungselement darstellen, ist das Gebäude mit dem zentralen Treffpunkt und weiteren Aufenthaltsbereichen durch besondere Transparenz und Großzügigkeit gekennzeichnet.

ENTWURFSIDEE I ARCHITEKTONISCHE HALTUNG
Funktionale Lösung
Der Ticketverkauf sowie die Zugangskontrolle befinden sich im überdachten Bereich des großen Eingangstors und wird durch diese Ausbildung in die kompakte Großform des Gebäudes integriert. Durch die abknickende Gebäudeform mit Orientierungsrichtung zum Park ergeben sich automatisch die einzelnen Hauptfunktionsbereiche. Im Kopf des Gebäudes befinden sich in direkter Blickrichtung vom Eingangstor der Informationspunkt mit Ausstellung und Shop. Daran schließt der Gastronomiebereich mit innenliegenden Nebenfunktionen an. Teile der Küche und Lager sind im Untergeschoss auf der Ebene der Logistikfläche angeordnet und über eine Treppe sowie einen Lastenaufzug mit dem Restaurant im Erdgeschoss verbunden. Etwas zurückversetzt befindet sich als weitere Hauptfunktion der Veranstaltungsbereich, welcher über den zentralen Innenhof erschlossen werden kann. Neben der Vermittlung zwischen den einzelnen Eingängen zu den Hauptfunktionen des Gebäudes und dem Naturraum, lädt dieser Platz zum Verweilen ein.
Die einzelnen Raumelemente erhalten durch die großflächige Verglasung zu dem begrünten Außenraum einen Blick in die Natur und werden mit Tageslicht versorgt, so dass eine helle und freundliche Aufenthaltsatmosphäre in allen Räumen entsteht. Mit dem freien Blick in die Natur, können die Besucher hier die Gedanken auch einmal ins Weite schweifen lassen. Die Außenraumflächen des Besucherzentrums, die durch ihre räumlich-gestalterische Ausformulierung eine funktionale Erweiterung zu den Innenräumen erfahren, können für individualisierte Zwecke z.B. Ausstellungen genutzt werden und fördern neben der natürlichen Atmosphäre die Aufenthaltsqualität.
Der multifunktionale Veranstaltungsbereich, der sich ebenfalls mit großzügig verglasten Flächen zum zentralen Innenhof öffnet, ist auch außerhalb des regulären Tagesbetriebs über einen separaten Zugang vom Vorplatz nutzbar und bildet dadurch einen wichtigen Anlaufpunkt für die angrenzenden Stadtteile. Dies führt zu einer funktionalen Vernetzung zwischen dem Besucherzentrum und den Quartieren in unmittelbarer Nähe.

Transparenz
Das hohe Maß an Transparenz führt räumlich und visuell zu einer Verflechtung von verschiedenen Raumzonen. Es entsteht ein ‚Ort der Kommunikation‘. Sowohl die interne Kommunikation, als auch die Interaktion zwischen Besucherzentrum und angrenzenden Quartieren wird positiv beeinflusst. Die aufgelöste Fassadenstruktur der einzelnen Funktionsbereiche weist durch ihre Transparenz Blickbeziehungen zwischen den einzelnen Elementen auf um die räumlichen Beziehungen ablesbar zu machen. Die Transparenz innerhalb des Gebäudes ermöglicht benachbarte Räume in unterschiedlichem Maße physisch und optisch miteinander zu verbinden und erhöht so die Flexibilität der Nutzung einzelner Funktionsbereiche.

FASSADENKONSTRUKTION
Konstruktion und Material
Die Fassaden, im zweischaligen Aufbau, weisen eine Struktur auf, die durch einen Wechsel aus tragenden Sichtmauerwerkflächen, teilweise perforierten Mauerwerkselementen mit dahinterliegenden Öffnungsflügeln zur natürlichen Belüftung sowie feststehenden Glaselementen aufgelockert wird. Die perforierten Mauerwerkselemente ändern je nach Lichteinfall den Schatten und erzeugen dadurch verschiedene Stimmungen in der Fassade und innerhalb der Räume. In Anlehnug an die geologische Schichtung des Naturraumes wird die Gesamtkubatur des Besucherzentrums durch einen ortstypischen Ziegel mit geschlämmter Haptik in die natürliche Umgebung eingebettet.
Der Innenbereich des Zentrums ist durch eine Reduktion auf wenige Materialien gekennzeichnet. Insgesamt dominieren die härteren Materialien Glas, Beton und geschlämmtes Sichtmauerwerk. In den Aufenthaltsbereichen, also den Bereichen, die gewerblich in erhöhter Frequenz genutzt werden, kommt Holz als weiches Element hinzu, was eine freundliche und warme Atmosphäre schafft, die zum Verweilen und zur Entspannung einlädt.
Entsprechend des ganzheitlichen Energiekonzepts des Besucherzentrums wurden bewusst robuste, langlebige und nachhaltige Materialien ausgewählt, die pflegeleicht sind und über einen langen Zeitraum ansehnlich bleiben.

FREIRAUMPLANERISCHES KONZEPT
Der Neubau eines Eingangselements zu dem Naturraum der Gärten der Welt, erfordert einen entsprechend behutsamen Umgang mit den vorgefundenen Grünstrukturen. Durch eine besonders Flächen sparende hochbauliche Konzeption kann das hochwertige Bestandsgrün größtenteils erhalten werden. Durch größtmögliche Integrierung der erhaltenswerten Bestandsbäume werden der Vorplatz, der Innenhof und Restaurant-Terrasse in Szene gesetzt und geprägt. Somit sind keine Beeinträchtigungen der vorhandenen Grünvernetzung zu erwarten.
Neupflanzungen mit standortgerechten heimischen Gehölzen sind im Bereich der Gastronomie-Terrasse (Ergänzung der Großgehölzstruktur und Kleingehölze zur Abschirmung) und im Innenhof vorgesehen. Eine lockere freiwachsende Pflanzung schirmt den vorbeiführenden Fußverkehr von der Terrasse ab ohne abzuriegeln und ermöglicht den Außenbetrieb.
Das Gebäude, mit seinen inszenierten Plätzen, integriert sich als eigenständiger Baustein in die Vielfalt der Gärten der Welt.

ENERGETISCHES KONZEPT
Das Besucherzentrum soll in Passivhausbauweise errichtet werden. Für die Energieversorgung bedeutet dies, dass die Wärme über statische Heizflächen und ein mit Wärmerückgewinnung ausgestattetes Lüftungssystem eingebracht wird. Dies wiederum bedingt die Installation eines Hochtemperatursystems, das sowohl die Außenluft nach der Wärmerückgewinnung vorwärmt als auch die statische Heizung versorgt.
Als Energieerzeugungssystem schlagen wir eine Gasmotorwärmepumpe mit Luft als Energiequelle vor. Mit dieser ist es möglich, die benötigten Tempera¬turbereiche für die Heizflächen sowie die Warmwasser-bereitung bereitzustellen. Wegen der Lage des Zentrums in einem Naturraum haben wir auf Wasser als Wärmequelle verzichtet. Ein weiterer Bestandteil der Energieerzeugung ist die Photovoltaikanlage, die auf dem Dach der Gebäudes installiert wird.

Presseinformation von competitiononline.com

Mit dem zweiten Preis (12.500,00 €) wurde das Büro barkowsky wahrer architekten, Köln und mit dem dritten Preis (10.000,00 €) das Büro gmp International GmbH, Berlin ausgezeichnet.

Darüber hinaus wurden Anerkennungen á 3.000,00 € an folgende Büros vergeben:

Alten Architekten GmbH, Berlin; HPP GmbH & Co. KG, Düsseldorf; Kersten + Kopp Architekten, Berlin.

An dem Wettbewerb „Besucherzentrum für die Gärten der Welt“ haben sich insgesamt 24 Planungsbüros, davon zwei aus dem europäischen Ausland, beteiligt.

Gegenstand des Wettbewerbs war der Neubau eines Besucherzentrums mit ca. 1.750 qm Nutzfläche im Bereich des Eingangs am Blumberger Damm.

Die Finanzierung erfolgt durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ mit Bundes- und Landesmitteln und wird aus Mitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt kofinanziert.

Mit den Gärten der Welt wurde seit dem Jahr 2000 unter der Leitung der Grün Berlin GmbH ein in Europa einzigartiges Konzept verwirklicht. Gezeigt werden originale Beispiele der Gartenkunst aus Asien, dem Orient und aus Europa. Der Park erfreut sich einer stetig wachsenden Besucherzahl von zurzeit jährlich über 700.000 Besuchern. Im Jahr 2017 findet darüber hinaus in den Gärten der Welt die Internationale Gartenausstellung Berlin 2017 statt. Der Neubau des Besucherzentrums wird ein wichtiger Baustein zur Optimierung der touristischen Infrastruktur. Über Inhalte wie Besucherservice, Informations- und Veranstaltungsbereich und einer kleinen Gastronomie bildet es gleichzeitig einen wichtigen Meilenstein zur Akquise weiterer Besuchergruppen, insbesondere im Bustourismus, und damit zur wirtschaftlichen Stärkung der Region.

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